Camper und Schlafplätze in Neuseeland

Januar 27, 2026 Aus Von Elsa

Viele wollen einmal im Leben Neuseeland mit dem Camper bereisen. Sie träumen davon, mit dem Bus irgendwo in der freien Natur zu stehen mit Ausblick auf die Berge oder den Sonnenuntergang am Meer. Erstmal muss man dafür aber einen geeigneten Camper finden – das ist gar nicht so einfach.
Man könnte meinen, Neuseeland sei DIE Campernaiton schlechthin, schließlich darf man ja überall übernachten. Falsch gedacht.
Die Neuseeländer sehen ein Auto eher als Fortbewegungsmittel. Darin zu wohnen, wäre ihnen viel zu eng. In Neuseeland lebt man im Zelt – bessergesagt in Zeltwohnungen. Oft fahren die Familien im sommer für ein paar Tage auf den Campingplatz, wo sie riesige Zelte aufstellen: ein Küchenzelt mit voll ausgestatteter Outdoorküche (Gasgrill und Arbeitsplatte mit Regalen für das ganze Geschirr). Ein weiteres Zelt dient als Schlafzelt mit mehreren Schlafkammern, die Anzahl variiert abhängig von der Familiengröße. Außerdem gibt es noch ein Versammlungszelt, das mehr einem Pavillon gleicht und das Schatten spendet. Hier wird der Tag gemeinsam verbracht.
Die Alternative zu Zeltwohnungen sind kleine Ferienhütten mit Doppel- oder Stockbetten. Man kocht dann in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes, die meist auch sehr gut ausgestattet ist.
Die ganz abenteuerlustigen haben einen Offroader mit Dachzelt und stehen an den entlegensten Ecken (wahrscheinlich auch über Nacht), wo sie niemand findet.
Wohnmobile und Campervans sieht man in Neuseeland eher selten und wenn, gehören sie meist zu einer entsprechenden Vermietung. Das merkt man auch daran, dass die Campervermietungen alle in der Nähe der großen Flughäfen sitzen und es kaum Vermietungen an anderen Orten gibt.
In Neuseeland reist man meistens mit dem PKW, was nicht heißt, dass es auch Neuseeländer gibt, die ihre Inseln gerne mit dem Wohnmobil bereisen. Aber es ist nicht so ein Hype wie in Europa sondern eher die Ausnahme.
Dementsprechend muss man sich auch ein wenig umgewöhnen, wenn man die durchdachten Camper aus Europa gewohnt ist, in denen die kleinste Ecke ausgenutzt und vieles multifunktional ist. Ich suchte nach einem Campingbus indem ich es bequem 3 Monate aushalten konnte. Er sollte nicht zu groß (kein Wohnmobil) aber auch nicht zu klein (kein PKW) sein. Ein typischer Kleintransporter, entsprechend eines VW-Busses.
Als erstes fällt auf, dass die Campingbusse fast alle die gleiche Basis haben: Toyota Hiace (2007-2018) in unterschiedlichen Längen und Höhen. Auch der Innenausbau ist oft gleich: hinter den Vordersitzen in L-Form eine Küchenzeile, hinten zwei Bänke parallel zu den Außenwänden, in der Mitte ein Tisch, dessen Platte man gemeinsam mit weiteren Platten in den Mittelgang legen konnte. Die Rückenpolster der Bank in draufgelegt und fertig war das Bett. Unter den Bänken befindet sich Stauraum fürs Gepäck sowie eine Toilette. Manche Busse haben auch ein Hochdach, sodass oben noch Leute schlafen können. Diese Busse sind aber bei Seitenwind extrem schwer zu kontrollieren. Außerdem ist das Bett oben meist nur 1,60m lang und daher nur für Kinder geeignet. Es gibt auch Busse ohne Hochdach aber Stehküche, das ist eher unpraktisch, denn man kann in den Bussen nicht stehen. Auch das Sitzen auf der Bank hinten könnte schwierig werden, ohne mit dem Kopf an die Decke zu stoßen.
Manche Busse (und PKWs) haben eine Heck-Küche, in der man unter geöffneter Heckklappe kochen kann. Was im Sonnenuntergang romantisch klingt, wird man bei strömendem Regen und Seitenwind (kommt in Neuseeland oft vor) verteufeln. Es lohnt sich also, die Ausstattung auf den Fotos genau anzuschauen und sich vorher zu überlegen, was einem wichtig ist und die Ausstattung daraufhin zu überprüfen.
Ich entschied mich für einen Hiace mit dem typischen Ausbau (vorne Küche, hinten Bank/Bett) und einer mittleren Höhe (ohne Bett oben). Mit 2,4m Gesamthöhe war der Bus auch bei Seitenwind noch einigermaßen händelbar und ich konnte gerade so mit leicht abgeknicktem Kopf drin stehen.
Wer in Neuseeland die maximale Freiheit genießen will, was Übernachtungsplätze angeht, braucht einen Camper mit sogenanntem „Self Contained“ Zertifikat. Dieses Siegel bekommen Camper mit Toilette und Waschbecken mit Frisch- und Abwassertank. Das heißt aber nicht, dass sie auch einen Kocher, Geschirr, Kühlschrank und Campingstühle und -Tisch haben. Da muss man nochmal genau schauen. Bei vielen Vermietungen muss man diese Ausstattung extra dazu mieten – ebenso wie Decken und Kissen. Bei anderen ist es inklusive.
Auch eine Zweitbatterie und Solar ist bei weitem nicht selbstverständlich und man muss bei der Vorauswahl darauf achten, ob der Camper damit ausgestattet ist (sehr empfehlenswert).
Außerdem sollte man unbedingt prüfen, ob die Autovermietung erlaubt, auf Schotterstraßen zu fahren. In Neuseeland gibt es sehr viele Schotterstraßen und man landet oft ohne Vorankündigung auf ihnen und muss dann manchmal 30 und mehr Km auf ihnen fahren. Der Zustand dieser Straßen ist sehr unterschiedlich. Manche kann man fast wie eine Asphaltstraße befahren, andere sind so mit Waschbrettern und Schlaglöchern übersäht, dass man kaum schneller als 20 Km/h fahren kann. Ja, ich weiß, das geht auch mit 80 oder 100 km/h aber dafür braucht man dann auch den entsprechenden Geländewagen. Mit einem PKW oder Camper riskiert man eher einen Achsbruch.
Ein paar Strecken wie der Ninety Mile Beach sind aber bei fast allen Autovermietungen verboten – auf diese Strecken kann man aber auch gut verzichten oder – wenn nicht – sie mit einer geführten Tour mit dem Allrader befahren.
Mein Camper hatte all das. Dennoch war die Ausstattung bei genauerem Hinsehen nicht vergleichbar mit meinem gut durchdachten Campingbus, den ich von zuhause gewohnt war. Der Tisch hatte eine extrem rutschige Oberfläche, von der alles runter rutschte, sobald das Auto nur etwas schief stand.
Der Schrank hatte große Fächer, aus denen bei der Fahrt alles herausfiel. Also führte meine erste Fahrt zum Baumarkt, wo ich Kisten und Anti-Rutsch-Matten besorgte. Der Schrankinhalt kam in Kisten, auf deren Unterseite ich Anti-Rutsch-Matte klebte. Dann blieb alles an Ort und Stelle.
Statt Vorhängen wurden hier Planen verwendet, die wie ein Rollo am oberen Fensterrahmen aufgerollt und mit Klettverschlüssen fixiert wurden. Allerdings waren die Klettverschlüsse schon sehr abgenutzt und hielten kaum noch. Die Planen waren durch das ständige Aufrollen schon so geformt, dass sie sich auch im ausgerollten Zustand immer wieder aufrollten. Die Saugnäpfe, mit denen man sie am unteren Fensterrand fixieren konnte, hielten nur gelegentlich.
Innenraumbeleuchtung gab es nicht. Bzw. war die an die Starterbatterie angeschlossen und die Benutzung daher nicht empfehlenswert, wenn man am nächsten Tag noch loskommen wollte. Zum Glück hatte ich eine Lichterkette sowie eine Campinglampe dabei, aber auch hier musste ich erstmal Stecknadeln besorgen um die Lichterkette aufhängen zu können.
Dann ging es endlich los zum ersten Stellplatz. Einen schönen Platz am Meer oder an einem Fluss, mit schönem Ausblick, wo man auf jeden Fall alleine steht. Davon träumen viele – und können in Neuseeland weiterträumen. Freistehen wo man will,  ist hier nicht erlaubt. Das Übernachten ist hier streng reglementiert. Auf den meisten Parkplätzen mit schönem Meerblick stehen Schilder mit „No  camping“ oder noch eindeutiger: „no overnight stay“. Steht kein Verbotsschild, heißt es nicht, dass man dort campen oder übernachten darf. Dann muss man auf der Internetseite der Gemeinde herausfinden, ob man da stehen darf (meistens nicht). Man muss also entweder auf einen Campingplatz oder auf einen der sog. „Freedom Campsites“. Die findet man über unterschiedliche Apps – am besten ist CamperMate – die hat sie alle. Beides kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt Campingplätze (meist Holidayparks) mit allem, was das Herz begehrt: kleinen Ferienbungalows, Kinderbespaßung, Pool, Küche, Waschmaschinen, WLAN, den üblichen Sanitäranalagen und Strom. Die sind dann entsprechend teuer (ca. 30€ pro Person und Nacht).Es gibt aber auch ganz schlichte Campingplätze, die bestehen dann aus einer Wiese und Toiletten. Dusche? Fehlanzeige. Vllt. eine kalte Dusche. Die Übernachtung ist dafür mit 5€ pro Person und Nacht entsprechend günstig. Die Standardausstattung auf den meisten Campingplätzen besteht aus sanitären Anlagen (Dusche/WC), einer voll ausgestatteten Küche und kostenlosem WLAN. Der Preis dafür ist mit 10-15€ pro Person und Nacht ok.
Freedom Campsites können sehr unterschiedlich sein. Von traumhaften Plätzen irgendwo in der Natur mit Blick auf das Meer und die Berge bis hin zu Parkplätzen mitten in der Stadt, auf denen nur von 18:00 bis 7:00 Uhr gestanden werden durfte. Außerhalb dieser Zeit war der Parkplatz für die Stadtbevölkerung vorgesehen. Voraussetzung für die Freedom Campsites ist das „self contained“ Zertifikat. Ohne das darf man auf diesen Plätzen nicht übernachten und der Aufkleber muss gut sichtbar an der Heckklappe angebracht sein. Eigentlich eine sinnvolle Erfindung, wenn man an die Klopaierhalden in Deutschlands Büschen denkt. Allerdings gibt es an vielen Freedomcamps auch eine Toilette, deren Benutzung mal mehr, mal weniger empfehlenswert ist. Zur Not hat man ja immer eine eigene Toilette dabei.
Manchmal gibt es viele Freedom Campseites, manchmal kaum welche. In solchen Regionen ist es an den wenigen Campsites dann oft voll und man muss früh da sein, denn manchmal gibt es nur Platz für 3-5 Camper. Natürlich wäre da noch mehr Platz, aber man sollte sich an die Regeln halten und den PKW-Fahrern auch noch Parkplätze übrig lassen. Die Regeln fürs Freedom Camping werden in Neuseeland zunehmend verschärft und könnten bei konsequenter Nichteinhaltung irgendwann ganz verboten werden. Auf anderen Campsites gibt es Platz für 70 Vans und man ist fast alleine dort.
Dass die Neuseeländer keine Vanlifer sind, merkt man auch daran, dass man auf den Freedom Campsites meistens Deutsch und Französisch und nur wenig Englisch hört. Die englisch sprechenden Menschen kommen dann oft aus Amerika, England oder Kanada und nur selten aus Neuseeland. Aber es gibt auch ein paar Neuseeländer, die gerne mit dem Camper ihr Land bereisen.