{"id":2304,"date":"2026-04-05T22:58:56","date_gmt":"2026-04-05T20:58:56","guid":{"rendered":"http:\/\/nordlichtblog.de\/?p=2304"},"modified":"2026-04-05T23:00:35","modified_gmt":"2026-04-05T21:00:35","slug":"2-tage-in-shanghai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordlichtblog.de\/?p=2304","title":{"rendered":"2 Tage in Shanghai"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf dem Weg nach Neuseeland und von Neuseeland zur\u00fcck hatte ich jeweils einen Tag Aufenthalt in Shanghai. Da ma<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg nach Neuseeland und von Neuseeland zur\u00fcck hatte ich jeweils einen Tag Aufenthalt in Shanghai. Da man, wenn man einen deutschen Pass und ein Weiterflugticket in ein Drittland hat, kein Visum braucht, um die Stadt zu besichtigen, ist der Zugang ziemlich einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wusste allerdings gar nicht was mich erwartete. Das einzige, was ich mit Shanghai in Verbindung brachte, waren riesige Stra\u00dfen, viel Verkehr, Smog, Hochh\u00e4user und permanente Kamera\u00fcberwachung. Und nat\u00fcrlich Chinesen, die nur chinesisch sprechen und \u00fcberall chinesische Schriftzeichen. Au\u00dferdem wusste ich, dass WhatsApp und Google \u2013 Dinge die wir in unserem Alltag st\u00e4ndig benutzen um zu kommunizieren, zu bezahlen oder uns zu orientieren, in China nicht funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern war ich froh, dass es von Trip.com eine gef\u00fchrte Layover-Tour f\u00fcr Reisende mit l\u00e4ngerem Zwischenaufenthalt in Shanghai gab. Mit einem Kleinbus fuhren wir in die Stadt. Wir waren eine bunte Gruppe aus Europ\u00e4ern und Asiaten, die alle gespannt auf die Megastadt waren. Unser Guide erz\u00e4hlte uns etwas \u00fcber die Geschichte Shanghais \u2013 der Stadt am Meer. Heute geh\u00f6rt die Stadt mit knapp 30 Mio. Einwohnern zu den Top 5 der gr\u00f6\u00dften der Welt und ist damit die einwohnerreichste Stadt Chinas.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-695x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2036\" width=\"231\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-695x1024.jpg 695w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-204x300.jpg 204w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-768x1131.jpg 768w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-1043x1536.jpg 1043w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-1391x2048.jpg 1391w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_042520-scaled.jpg 1738w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das, was wir von der Autobahn sahen, best\u00e4tigte meine Vorurteile. Graue Hochh\u00e4user mit unz\u00e4hligen Stockwerken und volle, mehrspurige Stra\u00dfen, auf denen der Verkehr wuselte. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Innenstadt hielten wir als erstes beim Wukang Mansion, einem Geb\u00e4ude, dessen Architektur so gar nicht chinesisch, sondern eher europ\u00e4isch wirkte. R\u00f6tliche Backsteinfassade auf einer grauen Mauer mit runden Torb\u00f6gen. Das Haus war zwischen zwei spitz aufeinander zulaufenden Stra\u00dfen erbaut und erinnerte durch seine dreieckige Form eher an das Hamburger Chilehaus mit abgerundeter Ecke. Es stammte aus der Zeit der franz\u00f6sischen Konzession, in der man im damals internationalen Shanghai gerne H\u00e4user im europ\u00e4ischen Architekturstil baute. Wir sahen auch noch weitere H\u00e4user, die \u00fcberraschend europ\u00e4isch wirkten. <br>Unser Guide erz\u00e4hlte uns vom Leben in Shanghai. Mir fielen die unz\u00e4hligen E-Bikes auf, die in T\u00fcrkis oder Gelb an der Stra\u00dfe standen. F\u00fcr umgerechnet 2\u20ac pro Monat konnte man diese Fahrr\u00e4der leasen und so viel damit herum fahren, wie man wollte. Ein eigenes Fahrrad wurde somit unattraktiv. Man konnte sich einfach eines der R\u00e4der auf der Stra\u00dfe nehmen, es mit dem Smartphone entriegeln und zum Wunschziel fahren, wo man den Drahtesel einfach wieder abstellte.<br>Wir kamen auf einen Markt, auf dem allerlei verschiedene Gem\u00fcse- und Obstsorten angeboten wurden. Daneben gab es fangfrischen Fisch. Uns lief das Wasser im Mund zusammen aber wir konnten leider nichts kaufen, da wir weder Bargeld dabei noch Alipay auf dem Handy hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittags hatten wir dann zwei Stunden Freizeit. Mit einer weiteren Deutschen und einer Spanierin schlenderte ich durch die bunte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, in der sich ein Shoppingcenter an das n\u00e4chste reihte. Alle paar Meter stand eine Polizeistation und nat\u00fcrlich \u00fcberall Kameras. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und lie\u00dfen uns die K\u00f6pfe von der schrillen Leuchtreklame an den H\u00e4usern verdrehen als wir pl\u00f6tzlich von aufdringlichem Gehupe aus den Gedanken gerissen wurden. Wir sprangen zur\u00fcck und stellten fest, dass wir mitten auf einer Kreuzung standen. Eine Kleine Seitenstra\u00dfe kreuzte die gro\u00dfe Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, es gab auch eine Fu\u00dfg\u00e4ngerampel, die aber zwischen all der Reklame und den vielen Menschen fast unterging. Auf der Stra\u00dfe fuhren ausschlie\u00dflich Elektroroller, die so leise waren, dass man sie nicht kommen h\u00f6rte. Daher das Gehupe. Da fiel mir auf, wie leise es in dieser Gro\u00dfstadt war. Auch an den mehrspurigen, viel befahrenen Stra\u00dfen h\u00f6rte man die Autos kaum, denn es waren fast ausschlie\u00dflich Elektroautos unterwegs. Dies machte sich auch an der Luft bemerkbar, denn Shanghai hatte sein Smog-Problem u.a. durch die Umstellung auf Elektrofahrzeuge fast vollst\u00e4ndig in den Griff bekommen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_062332-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2038\" width=\"410\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_062332-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_062332-300x169.jpg 300w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/20251231_062332-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wir liefen die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone entlang bis zum legend\u00e4ren Bund, einer Promenade am Fluss, die von prunkvollen H\u00e4usern unterschiedlicher Architekturstile (von Barock \u00fcber Renaissance bis zu Art d\u00e9co) ges\u00e4umt waren. Auf der anderen Seite des Flusses bildete das Finanzviertel mit seinen modernen Wolkenkratzern aus Stahl und Glas und dem Oriental-Pearl-Tower mit seinen pink-silbrig-schimmernden Kugeln einen krassen Gegensatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hunger trieb uns zur\u00fcck in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Wir w\u00e4hlten ein chinesisches Restaurant mit englischer Speisekarte und fragten am Eingang, ob es m\u00f6glich sei, mit Kreditkarte zu bezahlen. Ja klar! Wir w\u00e4hlten Nudelsuppe und Teigtaschen und gaben unsere Bestellung mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen bei der Kellnerin auf \u2013 denn die konnte kein Englisch. Als wir bezahlen wollten und unsere Karten hochhielten, sahen sie uns mit gro\u00dfen Augen an. Alipay, Alipay! Hatten wir aber nicht. Unser Guide hatte uns aber versichert, dass man fast \u00fcberall auch mit Kreditkarte bezahlen k\u00f6nne und so bestand ich darauf, dass sie zumindest meine Kreditkarte ausprobierten. Es funktionierte. Puh!<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder zur\u00fcck am Flughafen vertrieben wir uns noch die restlichen Stunden bis zum Weiterflug. Der Flughafen war sehr weitl\u00e4ufig und die Orientierung war nicht so einfach, also fragten wir am Infoschalter. Dort sprach der Chinese die Antwort auf Chinesisch in seine \u00dcbersetzungsapp, die uns dann auf Englisch die Frage beantwortete. Wir gingen los und mussten auf halber Strecke feststellen, dass seine Antwort irgendwie nicht zu unserer Frage passte. Also fragten wir die n\u00e4chste Person, die uns in die entgegengesetzte Richtung schickte. Erst sp\u00e4ter erfuhr ich, dass es in der asiatischen Kultur verp\u00f6nt ist, Nichtwissen zuzugeben. Statt sich zu blamieren, sagt man dann lieber irgendwas \u2013 auch wenn es falsch ist. Daher: frage in China immer zwei oder drei Menschen, bis du zwei Mal die gleiche Antwort bekommst (gleiches soll auch f\u00fcr Japan und Indonesien gelten).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Tag wusste ich, wie Shanghai funktionierte. Das meiste war auch auf Englisch ausgeschrieben und Zahlen waren sowieso gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings brauchte es f\u00fcr die Erkundung der Stadt auf eigene Faust etwas Vorbereitung, denn alle Google- und facebook-basierten Apps wie Google Maps, Google, ChatGPT oder WhatsApp funktionierten in China nicht. Maps brauchte ewig zum Laden und zeigte die Stra\u00dfen sehr verschoben und teilweise mit falschen Namen an, was f\u00fcr die Orientierung in einer Stadt nicht hilfreich ist. Google-Suche oder ChatGPT funktionierten in China gar nicht. Auf WhatsApp konnte man zwar Nachrichten senden und empfangen aber keine Bilder anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also lud ich mir im Vorfeld Amap f\u00fcr die Orientierung in der Stadt und im \u00d6PNV runter. Baidu installierte ich auf dem Browser als Standardsuchmaschine f\u00fcr spontane Google-Suchen unterwegs und DeepSeek als chinesisches Pendant zu ChatGPT. Alipay als Bezahlmittel durfte nat\u00fcrlich auch nicht fehlen. Hier musste ich noch meine Kreditkarte hinterlegen, \u00fcber die am Ende alles abgerechnet wurde. Damit in China auch alles reibungslos funktionierte und meine Roaminggeb\u00fchren nicht explodierten, brauchte ich auch noch eine chinesische Sim-Karte. Aber erstmal musste ich mein Handy wieder finden, das war am Flughafen n\u00e4mlich pl\u00f6tzlich weg und es fiel mir erst auf, als ich den Ankunftsterminal bereits verlassen, mit der Flughafenmetro zum Hauptterminal gefahren war und eine Gesundheitskontrolle passiert hatte. Die n\u00e4chste Station w\u00e4re die Passkontrolle gewesen, aber um die zu passieren, musste man online erstmal einen Fragebogen ausf\u00fcllen und daf\u00fcr brauchte man das Handy. Ich vermutete, mein Handy im Flugzeug vergessen &nbsp;zu haben und wollte zum Lost &amp; Found. Aber daf\u00fcr musste ich erstmal durch die Passkontrolle. Ich klagte dem erstbesten Sicherheitsbediensteten mein Leid. \u201eHast Du keine Freunde?!\u201c fragte er mich. Doch, aber nicht hier. Hm. Er z\u00f6gerte, nahm dann sein Handy, scannte den QR-Code und meinen Pass und f\u00fcllte den Fragebogen f\u00fcr mich notd\u00fcrftig aus. Dann f\u00fchrte er mich an den langen Schlangen vorbei zu einem Sonder-Schalter der Polizei, wo ich mein Problem noch einmal erkl\u00e4ren musste. Die Beamtin bl\u00e4tterte in meinem Pass vor und wieder zur\u00fcck und wieder vor, begutachtete mein abgelaufenes russisches Visum und die Stempel aus Neuseeland und Shanghai und setzte schlie\u00dflich ihren Stempel dazu. Nachdem ich abermals meine Fingerabdr\u00fccke abgegeben und mein Gesicht gescannt hatte, durfte ich chinesischen Boden betreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Lost &amp; Found erkl\u00e4rte man mir, dass dies nur die Fundstelle f\u00fcr am Flughafen verloren gegangene Gegenst\u00e4nde war. Wenn ich mein Handy im Flugzeug verloren hatte, m\u00fcsste ich zum Schalter der Airline gehen. Der w\u00e4re bei der Gep\u00e4ckausgabe. Die hatte ich allerdings inklusive Sicherheitscheck und Zoll bereits passiert. Wir kam ich nun wieder dahin zur\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann f\u00fchrte mich zu einer Zwischent\u00fcr, die sich als Abk\u00fcrzung zur Gep\u00e4ckausgabe herausstellte. Ich musste mein Handgep\u00e4ck und mich scannen lassen, dann durfte ich zur Gep\u00e4ckausgabe. Ich fragte die Frau, die mich abgetastet hatte, noch, wo denn der Schalter der Airline sei. Die zuckte aber nur verst\u00e4ndnislos mit den Schultern und wies in eine Richtung. Ach ja, es gab ja auch Leute, die kein Englisch konnten\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich fand ich mich in einem B\u00fcro f\u00fcr verloren gegangenes Gep\u00e4ck von China Eastern Airlines wieder. Die Frau am Schalter rief das Bordpersonal des Flugzeugs an und meinte, man h\u00e4tte tats\u00e4chlich ein Handy gefunden. Es w\u00fcrde allerdings 20 Minuten dauern, bis sie mir ein Foto davon zeigen k\u00f6nnte. Ich hatte ja Zeit, es war 6 Uhr morgens und mein Weiterflug nach Hamburg war erst nach Mitternacht geplant. Ich durfte auf dem Sofa in einem gem\u00fctlichen Warteraum Platz nehmen. Dann zeigte man mir auch schon ein Foto von meinem Handy. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich begann innerlich schon meinen Tag in Shanghai zu planen, w\u00e4hrend ich weitere 40 Minuten auf mein Handy warten musste.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_095154-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2292\" width=\"345\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_095154-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_095154-300x169.jpg 300w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_095154-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 345px) 100vw, 345px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich wollte mit dem Transrapid in die Stadt fahren. Dann hatte ich mir schon ein paar sch\u00f6ne Sehensw\u00fcrdigkeiten ausgesucht. Au\u00dferdem wollte ich mit einem Hop-on-Hop-off-Bus fahren und mir die Stadt anschauen, w\u00e4hrend ich der Stimme des Guides lauschte, die etwas \u00fcber die Stad erz\u00e4hlte.<\/p>\n\n\n\n<p>DeepSeek erkl\u00e4rte mir, wo und wie ich ein Ticket f\u00fcr den Maglev \u2013 so hei\u00dft der Transrapid in Shanghai \u2013 kaufen konnte und gab mir noch den Tipp, dass ich sogar Rabatt bek\u00e4me, wenn ich meinen Boardingpass vorzeigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ticket war mit umgerechnet 7\u20ac f\u00fcr chinesische Verh\u00e4ltnisse ziemlich teuer und vielleicht auch die Erkl\u00e4rung, warum kaum jemand mit dem einzigen Transrapid der Welt, der als \u00f6ffentliches Verkehrsmittel eingesetzt wurde, fuhr. Das erfuhr ich allerdings erst hinterher \u2013 auch &nbsp;dass der Transrapid nur 30 Km in die Stadt fuhr und dann wieder zur\u00fcck zum Flughafen. Weitere Ausbaupl\u00e4ne f\u00fcr die Magnetschwebebahn scheiterten an den hohen Kosten. In China setzte man eher auf normale Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge, die auf der vorhandenen Gleis-Infrastruktur fahren konnten. F\u00fcr den Transrapid musste man ein ganz neues Schienensystem umst\u00e4ndlich auf Stelzen bauen. Auf dem weichen Sumpfboden Shanghais kein einfaches Unterfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Transrapid sauste die knapp 30 Km mit einer Spitzengeschwindigkeit von 301 km\/h in knapp 8 Minuten in die Stadt. Es f\u00fchlte sich ein wenig an wie fliegen und wir schwebten ja auch wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Longyang Road stieg ich aus und wechselte in die Metro, die mich weiter in die Innenstadt brachte. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck hatte ich schon als Kind gelernt, mich mit dem \u00d6PNV durch Gro\u00dfst\u00e4dte zu bewegen \u2013 sonst w\u00e4re ich in Shanghai ziemlich verloren gewesen. So aber war es ein Leichtes, mich im weit verzweigten Metronetz zurechtzufinden und die richtige Station ausfindig zu machen. Die hatte mir DeepSeek \u2013 mein KI-Stadtf\u00fchrer vorher schon verraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei fiel mir auf: So unterschiedlich St\u00e4dte auch sind, ihre \u00d6PNV-Systeme funktionieren immer \u00e4hnlich. \u00dcberall gibt es durchnummerierte Linien in bunten Farben, Schilder am Bahnsteig, die die Richtung anzeigen, und im Zug Bandansagen, die zweisprachig (hier Chinesisch und Englisch) die n\u00e4chste Haltestelle verk\u00fcnden. Dazu noch Monitore, die denselben Job \u00fcbernehmen. Man k\u00f6nnte fast meinen, die Metro-Designer weltweit haben heimlich denselben Bauplan aus dem Schrank geholt. Das macht die Orientierung in den St\u00e4dten aber auch extrem einfach \u2013 egal ob man gerade in M\u00fcnchen, Paris, Shanghai oder Auckland unterwegs ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ticketkauf am Automaten funktionierte mit Alipay reibungslos, h\u00e4tte aber auch mit Kreditkarte geklappt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2282\" width=\"343\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-300x200.jpg 300w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-768x511.jpg 768w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1848-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Am People\u00b4s Square erblickte ich zwischen den Wolkenkratzern das Tageslicht. Hier begann auch de Nanjing Road, die wohl bekannteste Einkaufsstra\u00dfe Shanghais und gleichzeitig meistbesuchte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der Welt. In ihren Bann gezogen, lie\u00df ich die Hop-on-Hop-off-Busse links liegen und folgte ihr erstmal ein St\u00fcck. Wo sich in Deutschland Gesch\u00e4fte f\u00fcr Mode, Spielzeug oder Elektroartikel aneinander reihten, dr\u00e4ngten sich in Shanghai statt einzelner themenbezogener Gesch\u00e4fte ganze themenbezogene Einkaufszentren dicht an dicht. Als Europ\u00e4erin, die staunend alle paar Meter f\u00fcr ein Foto stehen blieb und noch dazu eine gro\u00dfe Kamera um den Hals trug, stand mir der Touristenstatus f\u00f6rmlich auf die Stirn geschrieben und ich wurde umzingelt von Leuten, die mir Bilder von teuren Designerhandtaschen zeigten und mich in eines der Geb\u00e4ude ziehen wollten. Obwohl ich nicht genau wusste, was diese Leute von mir wollten, ahnte ich nichts Gutes und lie\u00df sie stehen. Wenn ich ein Foto machen wollte, versuchte ich immer in Sichtweite eines Polizisten stehen zu bleiben, so konnte ich mir etwas Ruhe verschaffen. Erst sp\u00e4ter fand ich heraus, dass man versuchte, mich zum Kauf gef\u00e4lschter Markenartikel in irgendwelchen dubiosen Hinterst\u00fcbchen \u00fcberreden wollte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2283\" width=\"332\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-683x1024.jpg 683w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-200x300.jpg 200w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-768x1152.jpg 768w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1853-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich ging wieder zur\u00fcck zum People\u00b4s Square und kaufte mir auf Anraten meines digitalen Guides ein Tagesticket f\u00fcr den Touristenbus. Der war erstaunlich leer. Vom Oberdeck hatte ich sch\u00f6ne Aussicht auf die H\u00e4user. Der Bus zog an Wohnh\u00e4usern vorbei, an denen die W\u00e4sche vor dem Fenster in luftiger H\u00f6he auf einem W\u00e4schest\u00e4nder trocknete. Manchmal konnte ich auch einen Blick in die Innenh\u00f6fe erhaschen, in denen es erstaunlich chaotisch und manchmal auch schmutzig aussah. Im Gegensatz zu den schillernden Einkaufsstra\u00dfen wirkten diese H\u00e4user etwas trist und fast schon \u00e4rmlich. Beim Anblick dieser Wohnviertel fragte ich mich, wie die Chinesen sich all die teuren Designermarkenprodukte, die \u00fcberall angeboten wurden und die neuen Autos, die das Stra\u00dfenbild pr\u00e4gten, leisten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Stra\u00dfen war es durch die E-Autos sehr ruhig \u2013 nur das Hupen der E-Roller, die auf sich aufmerksam machen wollten, war zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Yuyuan Bazar stieg ich aus. Die traditionellen Bauten mit ihren geschwungenen D\u00e4chern und ihren aufw\u00e4ndig geschnitzten Holzverzierungen hatten mich in ihren Bann gezogen. Ich fand mich pl\u00f6tzlich in engen Gassen wieder. Es wimmelte nur so von Menschen und es roch nach Essen. Kein Wunder, denn dieses Viertel war eigentlich ein Einkaufszentrum f\u00fcr Essen. Hier gab es Fleischspie\u00dfe, H\u00fchnerf\u00fc\u00dfe, Suppen und alles, was das chinesische Feinschmeckerherz h\u00f6her schlagen lie\u00df. Vom Hinweg hatte ich noch 20 chinesische Yuan in bar, die mir die Spanierin gegeben hatte, als ich ihr Essen mit meiner Kreditkarte bezahlt hatte. Die wollte ich erstmal loswerden. Damit war die Auswahl etwas eingeschr\u00e4nkt, denn die meisten Leckereien waren hier f\u00fcr 30-35 Yuan zu haben. Umgerechnet 3,70-4,50\u20ac.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_122801-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2296\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_122801-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_122801-300x169.jpg 300w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260321_122801-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als ich die Bilder auf der chinesischen Speisekarte eines Restaurants studierte und versuchte, die Preise herauszufinden, wurde mir auch schon ein einlaminiertes Blatt in die Hand gedr\u00fcckt. Ich gab der Frau zu verstehen, dass ich nur 20 Yuan hatte. Sie zeigte mir daraufhin die Gerichte, die daf\u00fcr zur Auswahl standen und ich entschied mich f\u00fcr eine Wantansuppe. Ich tauschte Geld gegen einen Zettel mit einer Nummer und bekam einen Platz zugewiesen. Dann hie\u00df es erstmal warten. Ich wusste noch nicht so richtig, wie ich erkennen sollte, dass es meine Nummer ist. Die Schreibweise der Zahlen war in China zwar gleich, die Aussprache nat\u00fcrlich nicht. Als eine Frau mit einer Sch\u00fcssel auf dem Tablett mehrmals irgendwas rief und niemand reagierte, hielt ich ihr meinen Zettel hin und siehe da, es war meine Suppe. Die Br\u00fche schmeckte \u2013 wie alles, was ich in Shanghai a\u00df, erstaunlich unsalzig. Die Teigtaschen waren lecker. Und nein, ich musste die Suppe weder trinken noch mit St\u00e4bchen essen, ich bekam einen chinesischen Suppenl\u00f6ffel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-630x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2285\" width=\"169\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-630x1024.jpg 630w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-185x300.jpg 185w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-768x1247.jpg 768w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-946x1536.jpg 946w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-1261x2048.jpg 1261w, https:\/\/nordlichtblog.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/DSC1859-scaled.jpg 1576w\" sizes=\"(max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mit vollem Magen ging es wieder zum Bus und weiter in das Finanzviertel von Shanghai. Ich wollte die Wolkenkratzer mal aus n\u00e4chster N\u00e4he betrachten. Als ich auf der ringf\u00f6rmigen Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke stand und auf den Kreisverkehr hinunterblickte, den sie umschloss, fiel mir die Detailverliebtheit der Stadt auf. Die Insel des Kreisverkehrs war nicht nur mit aufw\u00e4ndig zu Bl\u00fcten und Delfinen zurechtgestutzten B\u00fcschen und zahlreichen ornamentartig angepflanzten Blumen geschm\u00fcckt, auch an der Br\u00fccke (und allen anderen B\u00fccken und Stra\u00dfen in der Stadt) hingen Blumenk\u00e4sten dicht an dicht nebeneinander, die mit tausenden Blumen bepflanzt waren. Die Stadtg\u00e4rtnerei musste hier sehr viel Personal haben um all die K\u00e4sten zu bepflanzen, die Skulpturen zu beschneiden und Beete zu pflegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall war es auch sehr sauber. Kein einziger Zigarettenstummel oder Pappbecher lag auf der Stra\u00dfe. In den Shoppingcentern gl\u00e4nzte der Marmorboden und fiel doch mal jemandem ein Taschentuch aus der Tasche, wurde dies gleich von einer herbeieilenden Reinigungskraft aufgesammelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Finanzviertel war es kalt und ich musste lange auf den n\u00e4chsten Bus warten w\u00e4hrend der Wind durch die Gassen pfiff. Au\u00dferdem war ich m\u00fcde und es wurde langsam sp\u00e4t. Trotzdem wollte ich zumindest noch die Route zu den Tempeln fahren \u2013 reine Fahrtzeit 60 Min.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bereute, diese Route nicht als erstes gefahren zu sein, denn den buddhistischen Tempel mit seinen vergoldeten L\u00f6wen h\u00e4tte ich gerne auch von innen gesehen \u2013 ebenso wie das Shanghai Exhibition Center. Das kommt dann wohl beim n\u00e4chsten Mal dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der st\u00e4ndigen \u00dcberwachung wirkten die Chinesen unbeschwert. P\u00e4rchen liefen h\u00e4ndchenhaltend durch die Stra\u00dfen und k\u00fcssten sich, Menschen standen in Gruppen zusammen, unterhielten sich und lachten. Obwohl die Polizei allgegenw\u00e4rtig war, schienen die Chinesen fest mit ihrem Handy verbunden. Vom Oberdeck des Doppeldeckers konnte ich sehen, wie Auto- und Rollerfahrer an der roten Ampel Handyspiele spielten oder Nachrichten beantworteten \u2013 teilweise sogar auch w\u00e4hrend der Fahrt. Ich wunderte mich, dass ich trotz des dichten Verkehrs bei dem Fahrverhalten keinen Unfall sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem fiel mir auf, dass viele Menschen eine echte Vorliebe f\u00fcr niedliche Accessoires haben: Pl\u00fcschtiere am Rucksack, Handyh\u00fcllen mit Ohren, \u00fcbergro\u00dfe H\u00fcllen, die an alte Handyknochen erinnern, und M\u00fctzen mit Katzenohren. Es wirkte, als ob sie das Leben nicht ganz so ernst und schwer n\u00e4hmen, wie viele Deutsche es tun. Es wirkte eher lebendig, charmant und unbeschwert \u2013 als w\u00fcrden sie die kleinen, bunten Freuden des Lebens genie\u00dfen und Pers\u00f6nlichkeit, Freude und Kreativit\u00e4t auf diese Weise auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt hatte ich einen sehr positiven Eindruck von Shanghai. Sauber, sicher, geordnet, leise und gleichzeitig wuselig und sehr anders als Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich nun wei\u00df, wie man sich in der digitalen Parallelwelt Chinas zurechtfindet und erfahren habe, dass man auch ohne Chinesischkenntnisse klarkommt, ist mein Interesse f\u00fcr dieses Land deutlich gewachsen und ich habe auf jeden Fall Lust, irgendwann nochmal l\u00e4nger nach China zu reisen und auch das Hinterland anzuschauen und auf jeden Fall Fleischspie\u00dfe und H\u00fchnerbeine zu probieren. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Fotos von Shanghai gibt es \u00fcbrigens <a href=\"https:\/\/nordlichtblog.de\/?page_id=24&amp;gallery=shanghai\">hier<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Weg nach Neuseeland und von Neuseeland zur\u00fcck hatte ich jeweils einen Tag Aufenthalt in Shanghai. Da ma Auf dem Weg nach Neuseeland und von Neuseeland zur\u00fcck hatte ich jeweils einen Tag Aufenthalt in Shanghai. 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