{"id":215,"date":"2015-09-18T20:15:00","date_gmt":"2015-09-18T20:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nordlichtblog.de\/?p=215"},"modified":"2020-03-25T22:49:43","modified_gmt":"2020-03-25T21:49:43","slug":"norwegen-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordlichtblog.de\/?p=215","title":{"rendered":"Norwegen 2015"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"color:#000000\" class=\"has-text-color\">Mit dem Auto fuhren wir zun\u00e4chst an die Nordspitze D\u00e4nemarks, wo wir  in einem sch\u00f6nen Wald unser Zelt aufschlugen. Das Wetter war grau und  nass \u2013 nicht unbedingt einladend f\u00fcr Urlaub oder gerade richtig um die  Flucht zu ergreifen.<br>Am n\u00e4chsten Morgen setzten wir bei strahlendem Sonnenschein mit der  F\u00e4hre nach Kristiansand \u00fcber und fuhren von dort mit dem Auto weiter gen  Norden.<br>Die Stra\u00dfe schl\u00e4ngelte sich an einem Fluss entlang durch ein weites  Tal zwischen runden Bergen, die mit einem sattgr\u00fcnen Nadelwald \u00fcberzogen  waren. Ab und zu fuhren wir durch kleine D\u00f6rfer oder an dem ein oder  anderen See entlang. K\u00fche weideten auf den Wiesen und es roch nach Heu.  Fast wie in den Alpen.<br>Nach ca. 150 Km bogen wir von der Hauptstra\u00dfe in eine kleine Stra\u00dfe  ab, die uns steil bergauf auf\u00b4s Fjell f\u00fchrte. Die B\u00e4ume, erst noch gro\u00dfe  Fichten, wurden immer kleiner und verkr\u00fcppelter, bis irgendwann nur  noch ca. 1m hohe Erlen und Birken den Weg s\u00e4umten. Neben der Stra\u00dfe  schl\u00e4ngelte sich ein Bach durch eine Auenlandschaft auf der Schafe  weideten.<br>In ca. 800m H\u00f6he hatten wir die Baumgrenze erreicht. Nun gab es nur  noch Wiese die teilweise mit kniehohem Gestr\u00fcpp bewachsen und mit  tausenden und abertausenden kleinen Steinen \u00fcbers\u00e4ht war. Ab ca. 1000m  wurde auch die Wiese weniger und es gab fast nur noch Steine, soweit das  Auge reichte und \u2013 Schnee.<br>Inzwischen war die Sonne hinter Wolken verschwunden, die wie dicke  Watteb\u00e4usche \u00fcber die Berge zogen und alles in einen ziemlich dichten  Nebel h\u00fcllten.<br>Endlich waren wir an der Abzweigung angekommen, die  zu unserem Lagerplatz f\u00fchrte, den ein Freund uns empfohlen hatte. Wir  bogen in die kleine Stra\u00dfe ein und fuhren vorbei an schroffen Felsw\u00e4nden  und hohen Schneefeldern in ein kleines Tal bis pl\u00f6tzlich eine  Schneewehe den Weg versperrte. Neben der Stra\u00dfe war ein St\u00fcck Wiese, das  eben genug war, um ein Zelt aufzustellen und auch noch genug Platz f\u00fcr  das Auto bot. Denn auch in Norwegen mussten wir schon am ersten Tag  feststellen, dass es viele tolle Zeltpl\u00e4tze aber keinen Stellplatz f\u00fcr  das Auto oder umgekehrt gab.<br>Als wir ausstiegen, pfiff uns ein eisiger Wind um die Ohren. Wir  waren pl\u00f6tzlich im Winter angekommen. Zum Gl\u00fcck hatten wir ausreichend  warme Unterw\u00e4sche dabei, ohne die der Urlaub ein ziemlich kaltes  Vergn\u00fcgen gewesen w\u00e4re. Schnell stellten wir unser Zelt neben der  Schneewehe auf und verkrochen uns nach leckeren Nudeln mit Tomatensauce  im warmen Schlafsack.<br>Am n\u00e4chsten Morgen prasselte der Regen auf unser Zelt. Wir drehten  uns noch ein paar Mal um, d\u00f6sten vor uns hin, fr\u00fchst\u00fcckten irgendwann,  lasen in unseren B\u00fcchern und beobachteten die Autos, die die Stra\u00dfe zum  Stausee hinauffahren wollten und vor der Schneewehe frustriert umkehren  mussten. Pl\u00f6tzlich kam ein gl\u00e4nzender VW-Bus um die Ecke, blieb stehen  und parkte r\u00fcckw\u00e4rts bergab, die Vorderr\u00e4der eingeschlagen auf der  Stra\u00dfe. Heraus sprangen zwei junge Kerle mit Kamera bewaffnet,  fotografierten das Auto von allen Seiten, parkten es noch ein paar Mal  um und verschwanden schlie\u00dflich wieder so schnell, wie sie gekommen  waren. Ich hielt das Geschehen mit meiner Kamera fest und stellte fest,  dass es sich bei dem VW-Bus um den neuen T6 California handelte, der f\u00fcr  den Katalog fotografiert werden sollte.<br>Gegen Nachmittag wurde der Regen weniger und wir erkundeten ein wenig  die Gegend. Die umliegenden Berge waren noch mit reichlich Schnee und  Eis bedeckt und auch im nahegelegenen Stausee schwammen noch gro\u00dfe  Eisberge in t\u00fcrkiesblauem Wasser.<br>Am n\u00e4chsten Morgen hatte der Regen aufgeh\u00f6rt. Wir packten unser Zelt  zusammen und machten uns auf den Weg zum Kjeragbolten, einem in einer  Felsspalte eingeklemmten Stein ca. 1000m \u00fcber dem Lysefjord. Ein Freund  hatte uns schon vorgewarnt, dass dort sehr viele Touristen sind und uns  geraten fr\u00fch dort hin zu fahren. Als wir um 9 Uhr auf dem Parkplatz  ankamen, war es dort schon ziemlich voll und eine Ameisenstra\u00dfe von  Menschen schl\u00e4ngelte sich den Berg hinauf. <br>Der Weg f\u00fchrte teilweise  \u00fcber blanken Granit \u00fcber Stock und Stein und manche Abschnitte waren so  glatt und steil, dass man sie ohne die Sicherungskette nicht h\u00e4tte  bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Nachdem wir zwei kleinere Berge \u00fcberwunden hatten,  ging der Weg auf einer riesigen blanken Felsplatte entlang zum Ziel. <br> Am Kjeragbolten wimmelte es von Menschen, die sich alle auf den Stein  in der Felsspalte stellten und fotografieren lie\u00dfen. Wegen meiner  H\u00f6henangst verzichtete ich jedoch darauf, mich in die Schlange zu  stellen. Stattdessen genossen wir die Aussicht von einem Hang oberhalb  des ganzen Spektakels und blickten \u00fcber die endlose Weite aus felsigen  Berggipfeln.<br>Auf dem R\u00fcckweg wanderten wir durch ein anderes Tal mit deutlich  weniger Menschen und fuhren noch am selben Abend Richtung Stavanger, wo  wir an einem wilden Bergbach zelteten.<br>Im Fidjadalen bekamen wir eine ganz andere Landschaft zu sehen. Nach  dem ziemlich steilen, mit Ketten gesicherten Anstieg und einem Blick auf  den M\u00e5nafossen, einen ca. 80m hohen Wasserfall, hatten wir das Tal  erreicht. Der M\u00e5n floss durch saftig gr\u00fcne Wiesen auf denen kleine  Birken standen. Links und rechts s\u00e4umten hohe Berge mit runden  Felsglatzen das Tal. Wir wanderten am Fluss entlang ein St\u00fcck das Tal  hinauf, durchquerten ein riesiges Ger\u00f6llfeld und machten schlie\u00dflich  oberhalb eines gro\u00dfen, tiefschwarzen Sees Pause.<br>Am Abend begann es wieder zu regnen und wir fuhren ein paar Kilometer  weiter nach Norden zu einer kleinen Badestelle an der M\u00fcndung des  Lysefjords, wo wir unser Zelt direkt am Wasser aufschlugen und die  letzte Abendsonne genossen.<br>Am n\u00e4chsten Morgen klingelte der Wecker um 6:00 Uhr. Unser Ziel war  der Preikestolen. Eine Felskanzel, die 600m tief in den Lysefjord  abfiel. Und ein beliebtes Touristenziel. <br>Um 8:00 Uhr waren wir am Parkplatz. Wir geh\u00f6rten zwar zu den ersten, waren aber nicht die einzigen. <br>Der Weg war gut ausgebaut aber nicht weniger steil als die vorherigen Anstiege. Am Anfang waren wir noch fast alleine. Je n\u00e4her wir dem  Preikestolen kamen, desto mehr wurden auch die Menschen. Ob die wohl  alle dort im Zelt \u00fcbernachtet hatten? Wir wussten es nicht. Aber ein  paar Zelte standen noch wenige Meter vom Weg entfernt im Geb\u00fcsch.<br>  Auf dem Preikestolen standen schon eine Menge Menschen, die f\u00fcr Fotos am  Abgrund posierten. Wir riskierten einen Blick in die Tiefe auf den  Fjord. Die eigentlich doch recht gro\u00dfe Autof\u00e4hre, die gerade unten  entlang fuhr, erschien uns wie ein Spielzeugboot und machte die Tiefe  erst richtig deutlich.<br>Wir picknickten oberhalb der Menschenmassen und genossen den Blick in  den Lysefjord. Immer wieder kam die Sonne heraus. Dann wieder zogen die  Wattewolken aus dem Fjord \u00fcber die Felskante und versperrten die Sicht.<br>Auf dem R\u00fcckweg liefen wir zu Beginn wieder auf einer Nebenstrecke,  die uns auf dem Hinweg gar nicht aufgefallen war. Von dort hatte man  aber einen wundersch\u00f6nen Blick \u00fcber die Fjorde bei Stavanger und die  dahinterliegende Nordsee.<br>Auf dem R\u00fcckweg zum Zelt machten wir noch einen Abstecher nach Landa,  einem restaurierten Wikingerdorf und Campingplatz. In den  grasbewachsenen, fensterlosen H\u00fctten wurde die Lebensweise der Wikinger  sehr anschaulich dargestellt. Es gab Webrahmen und alten Werkzeuge. Das  unfreundliche Wetter, und der Wind, der durch die Ritzen pfiff, lie\u00df uns  erahnen, dass das Leben in diesen H\u00fctten wohl alles andere als  gem\u00fctlich gewesen sein musste.<br>Am n\u00e4chsten Morgen packten wir wieder alles ins Auto und fuhren ca. 200 Km nach Norden bis Odda.<br>Die Stra\u00dfe f\u00fchrte gro\u00dfteils im Tal direkt an den Fjorden entlang. Wir  hatten schon viel \u00fcber die engen, abenteuerlichen Fjordstra\u00dfen und die  verr\u00fcckten Autofahrer in Norwegen geh\u00f6rt. Die vielen Vorurteile  best\u00e4tigten sich jedoch nicht unbedingt. Die Stra\u00dfen waren zwar  teilweise wirklich sehr schmal und es war auch jede Menge Verkehr, aber  im Gro\u00dfen und Ganzen fuhren doch alle recht zivilisiert.<br>Daf\u00fcr waren die Tunnel ziemlich abenteuerlich. Oft fuhren wir am Ende  der T\u00e4ler auf senkrechte, mehrere hundert Meter hohe, glatte Felsw\u00e4nde  zu und landeten schlie\u00dflich in einem Tunnel, der sich manchmal in engen  Kurven wie eine Parkhausauffahrt den Berg hinauf schraubte. Innen war es  neblig, die L\u00fcftung dr\u00f6hnte wie ein Flugzeugtriebwerk und es stank nach  Abgasen, Gummi und den hei\u00dfgelaufenen Bremsen der entgegenkommenden  Autos.<br>In den T\u00e4lern tobte das Leben. Jede freie Fl\u00e4che wurde als  Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Kirschb\u00e4ume, Apfelplantagen, Erdbeerfelder und andere  Dinge genutzt. Dazwischen standen \u00fcberall H\u00e4user und zwischen durch  schl\u00e4ngelte sich die Stra\u00dfe, auf der massenweise Urlaubsautos fuhren.  W\u00e4hrend des gesamten Urlaubs, sahen wir immer wieder dieselben Autos:  den gelben T4 aus Freiburg oder den Gel\u00e4ndesprinter aus Karlsruhe oder  das klapprige Wohnmobil aus Kiel: alle fuhren sie nach Norden, und  besichtigten alle sch\u00f6nen Orte aus den Reisef\u00fchrern. Das erinnerte mich  stark an Alpentourismus, hatte aber mit der Einsamkeit, die ich sonst  aus Skandinavien kenne, wenig zu tun und war daher etwas  gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.<br>Nach gut 6 Stunden Autofahrt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit  von ca. 60 Km\/h hatten wir unser Ziel erreicht: Odda, eine Kleinstadt am  Ende eines Fjords im Westen der Hardangervidda. Wir schlugen unser Zelt  in einem engen Tal direkt neben einem tosenden Bach auf.<br>Am n\u00e4chsten Morgen machten wir uns auf den Weg Richtung Folgefonna:  Norwegens drittgr\u00f6\u00dftem Gletscher. W\u00e4hrend unten bunte Blumen den Wegrand  s\u00e4umten und uns mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig warmen Temperaturen von 15\u00b0C (die  Tage davor hatte es meist zwischen 6 und 12\u00b0C) den Sommer anzeigten, war  am Fu\u00dfe des Gletschers gerade der Fr\u00fchling angebrochen und die ersten  Bl\u00e4tter sprie\u00dften (im Juli!) vorsichtig aus den d\u00fcnnen Zweigen. Wie  genossen unser Mittagessen am Ende einer Gletscherzunge, die sich ein  St\u00fcck den Berg hinunterstreckte. Aus den Tiefen der Gletscherspalten  schimmerte es t\u00fcrkiesblau, w\u00e4hrend der Schnee von oben in blendendem  Wei\u00df strahlte.<br>Unten am Zelt angekommen, wusch ich mich im nahegelegenen Bach, der  vom Gletscher kam. Ich hatte schon in manch kaltem Fjord gebadet, doch  die waren warm im Gegensatz zu diesem gletschergespeisten Bach. Daher  war nicht nur wegen der rei\u00dfenden Str\u00f6mung nicht an Baden zu denken. So  wusch ich mich mit dem Waschlappen und meine Haare mit Hilfe einer  Flasche und staunte nicht schlecht, als das eisige Wasser auf meiner  Haut verdampfte.<br>Am n\u00e4chsten Morgen fuhren wir noch ein St\u00fcck weiter nach Norden auf die Hardangervidda. <br>Unterwegs besichtigten wir noch Tisso I ein bis 1996 in Betrieb  gewesenes Wasserkraftwerk im Tyssedal. Die riesigen Turbinen in der  gro\u00dfen Maschinenhalle und die unendliche Anzahl an Kn\u00f6pfen und Hebeln in  der Schalthalle waren ein beeindruckender Anblick.<br>Die Hardangervidda, Europas gr\u00f6\u00dfte Hochebene, zeigte uns am n\u00e4chsten  Tag nochmal eine ganz andere Landschaft von Norwegen. Hier waren die  Berge eher flach und in den tiefer gelegenen Gegenden wuchsen kleine  B\u00e4ume und B\u00e4che schl\u00e4ngelten sich durch satte Sumpfwiesen. Obwohl die  Parkpl\u00e4tze alle voll waren, sahen wir nur wenige Menschen.<br>Der Weg, ein ausgetretener Trampelpfad, schl\u00e4ngelte sich \u00fcber die  H\u00fcgel, und die saftigen Wiesen. Sumpfige Stellen wurden mit Brettern,  B\u00e4che und Fl\u00fcsse mit H\u00e4ngebr\u00fccken \u00fcberbr\u00fcckt. In dieser Weite h\u00e4tte man  ewig kilometerweit (ca. 70 Km Wildnis von einem zum anderen Ende der  Hochebene) laufen k\u00f6nnen. Allerdings zwang uns die Zeit zum Umkehren.<br>Wir fuhren noch ein St\u00fcck weiter in die Hardangarvidda hinein und  zelteten schlie\u00dflich in einer endlosen Weite. Nach Norden hatten wir  einen perfekten Blick auf den zum Greifen nahen 30 km entfernten,  schneewei\u00dfen Hardangerjorkulen. Nach S\u00fcden erstreckte sich ein weites  gr\u00fcn-braun-rotes sanftes H\u00fcgelland welches mit vielen kleinen Seen und  einigen Schneefeldern \u00fcbers\u00e4ht war.<br>Die Weite der Hochebene war zu den beengenden Fjorden eine  willkommene Abwechslung. Sie konnte bei dringenden Gesch\u00e4ften jedoch  auch von Nachteil sein. Denn in diesem h\u00f6her gelegenen Teil gab es keine  B\u00e4ume und das gerade mal kniehohe Gestr\u00fcpp und die paar Steine boten  nicht wirklich Sichtschutz.<br>Am n\u00e4chsten Morgen regnete es und der Wind r\u00fcttelte am Zelt. Leider  wurde das Wetter auch nicht wirklich besser, sodass wir unseren letzten  Tag mehr oder weniger in Auto und Zelt verbrachten und nur einen kleinen  Spaziergang machten.<br>Erst am Abend h\u00f6rte der Regen auf. Pl\u00f6tzlich wurde das bl\u00e4uliche  Licht im Zelt gelb-orange. Ich zog mir warme Sachen an, schnappte meine  Kamera und kroch aus dem Zelt. Die Abendsonne hatte die H\u00fcgel in ein  diffuses Licht getaucht und ich bekam f\u00fcr ein paar Minuten einen  Eindruck, wie die Hardangarvidda bei sch\u00f6nem Wetter sein k\u00f6nnte:  wundersch\u00f6n und bunt. Ich hielt die Eindr\u00fccke mit der Kamera fest und  schwor mir, irgendwann diese Ebene zu Fu\u00df mit dem Rucksack zu  durchqueren.<br>Am n\u00e4chsten Morgen war es trocken und die Sonne blitzte immer wieder durch die Wolken.<br>Bevor wir fuhren, machte ich noch einen Abstecher auf den n\u00e4chsten  H\u00fcgel und wurde von der Weite \u00fcberrascht. Nach gut einer halben Stunde  war ich auf dem Gipfel angekommen, von dem ich dachte, er sei nur ein  paar hundert Meter entfernt. Wahrscheinlich waren es eher 1,5 Km. Vom  Gipfel aus hatte ich jedoch einen hervorragenden Rundumblick auf die  Hardangarvidda, denn ich hatte gl\u00fccklicherweise einen der h\u00f6chsten H\u00fcgel  in der Umgebung erklommen.<br>Dann fuhren wir die Bundesstra\u00dfe 13 entlang am n\u00f6rdlichen Rand der  Hardangervidda nach Osten bis wir nach gut 5 Std. Fahrt und 250 Km bei  unseren Freunden in Gj\u00f8vik ankamen. Dort blieben wir noch 2 N\u00e4chte,  bevor wir dann weiter nach G\u00f6teborg fuhren.<br>Dort hatten wir ein Zimmer in einer netten, kleinen Jugendherberge in  Hafenn\u00e4he gebucht. Die Gegend wirkte gepflegt: die H\u00e4user waren gut in  Schuss und die Stra\u00dfen sauber. Umso mehr irritierten uns die vielen  Glasscherben auf dem benachbarten Jugendherbergsparkplatz und die  Warnhinweise vor Autoeinbr\u00fcchen in der Jugendherberge. So parkten wir  unser Auto in einem nahegelegenen Parkhaus und besichtigten die Stadt.<br>Die Innenstadt bestand aus vielen Holzh\u00e4usern und einigen  Steinh\u00e4usern im Jugendstil. \u00dcberall waren kleine Caf\u00e9s und in der Stadt  herrschte ein buntes Treiben.<br>Am n\u00e4chsten Tag erkundeten wir vormittags noch den Hafen von  G\u00f6teborg. Am fr\u00fchen Nachmittag stieg ich dann in den Zug nach Kopenhagen  und Johann machte sich auf den Weg zu seinen Eltern ins Ferienhaus nach  Hallabo.<br>Mein Zug kam p\u00fcnktlich in Kopenhagen an. Ich suchte nach einer  Anzeige um herauszufinden auf welchem Gleis mein Zug nach Hamburg f\u00e4hrt,  als ich auf einer Durchlaufanzeige las, dass alle Z\u00fcge nach Deutschland  aufgrund von Bauarbeiten bereits 30 min fr\u00fcher abfahren. Da ich laut  Plan nur 10 Min zum Umsteigen hatte, war mein Zug wohl weg. Dies  best\u00e4tigte mir auch eine recht unfreundliche Dame am  Informationsschalter und verwies mich auf irgendeinen Bus, der irgendwo  am Bahnhofsvorplatz abfahren sollte. Diesem Hinweis traute ich nicht  ganz und buchte mit meinen recht sp\u00e4rlichen Englischkenntnissen meine  Fahrkarte auf eine andere Verbindung um. Danach hatte ich erstmal 6 Std.  Zeit, bis um kurz vor Mitternacht mein Zug aufs Festland fuhr.<br>Ich schloss mein Gep\u00e4ck in ein Schlie\u00dffach und streifte durch die  Stadt. Kopenhagen war das komplette Gegenteil zu G\u00f6teborg und all den  anderen skandinavischen St\u00e4dten, die ich kannte. Kaum Holzh\u00e4user und  keine Bescheidenheit. Massive Steinbauten, prunkvolle, mit Gold  verzierte Kirchen, gro\u00dfe Pl\u00e4tze und protzige Pal\u00e4ste erinnerten an  k\u00f6niglichen Reichtum von fr\u00fcher und mich an St\u00e4dte wie St. Petersburg,  Moskau, M\u00fcnchen, Salzburg oder Wien. Andererseits gab es auch kleinere  Stra\u00dfen und Kan\u00e4le in denen alte Schiffe lagen, die wiederum eher an  Amsterdam erinnerten.<br>Nur die riesigen grellen Werbetafeln und die laute Musik aus den Modegesch\u00e4ften bildeten zu allem einen starken Kontrast.<br>Um 23:45 Uhr kam ich schlie\u00dflich wieder am Bahnhof an, stieg in  meinen Zug und rollte in die dunkle Nacht hinaus. Bis 2 Uhr konnte ich  schlafen, dann musste ich das erste Mal von insgesamt 5 Malen umsteigen.  Immerhin musste ich nur einmal eine Stunde auf einem Bahnhof warten.  Allerdings beschlich mich bei der Vorstellung zwischen 4 und 5 Uhr  morgens alleine irgendwo auf einem Bahnhof zu warten, schon ein mulmiges  Gef\u00fchl. Doch in D\u00e4nemark scheint es ganz normal zu sein, auch nachts zu  reisen. Zumindest macht die Bahn keinen Betriebsschluss und der Bahnhof  war sogar auch ge\u00f6ffnet. Und ich war nicht die einzige: eine Gruppe  Pfadfinder hatte es sich in einer Ecke gem\u00fctlich gemacht und auf den  B\u00e4nken schliefen und d\u00f6sten \u00fcberall Menschen oder unterhielten sich  leise, sodass ich die Zeit ruhigen Gewissens mit meinem Buch verbrachte.<br>Nach einigen Umstiegen und Fahrten mit dem Schienenersatzbus (in ganz  D\u00e4nemark war wohl Baustelle und kaum ein Zug fuhr) kam ich endlich mit  einem Versp\u00e4tungsrekord von 10 Std. in Kiel an und bekam fast einen  Hitzeschlag: Denn w\u00e4hrend wir im gesamten Norwegenurlaub meistens  6-12\u00b0C, manchmal 15\u00b0C hatten, hatte es in Kiel fast 30\u00b0C.<br>Trotz der kalten Temperaturen und des doch recht vielen Regens und  der vielen Menschen war es aber ein sehr sch\u00f6ner Urlaub und es wird auch  bestimmt nicht der einzige Norwegenurlaub gewesen sein. Auch wenn das  n\u00e4chste Urlaubsziel wahrscheinlich etwas abseits der Touristenziele und  damit hoffentlich auch etwas abseits der Menschenmassen sein wird.<br><br>Fotos von der Reise gibt es <a href=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/?page_id=24&amp;gallery=norwegen-2015\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Auto fuhren wir zun\u00e4chst an die Nordspitze D\u00e4nemarks, wo wir in einem sch\u00f6nen Wald unser Zelt aufschlugen. 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