{"id":1508,"date":"2020-09-13T22:09:30","date_gmt":"2020-09-13T20:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/nordlichtblog.de\/?p=1508"},"modified":"2020-09-13T22:21:12","modified_gmt":"2020-09-13T20:21:12","slug":"deutschlandreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nordlichtblog.de\/?p=1508","title":{"rendered":"Deutschlandreise"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor zwei Jahren hatte ich bereits eine kleine Deutschlandreise gemacht, bei der Freunde besuchen im Fokus stand. Dementsprechend sah ich viele St\u00e4dte und Autobahnen aber wenig Natur. Inspiriert von dem Film \u201eHeimreise\u201c, den ich letztes Jahr im Kino sah, in dem zwei junge M\u00e4nner mit ihren VW-Bussen quer durch Deutschland reisten, beschloss ich, dieses Jahr auch mal Deutschland zu erkunden. Mein erstes Ziel war der Gespensterwald bei Rostock. Als ich auf dem Parkplatz mein Klapprad zusammenbaute, kam eine Frau angefahren und machte mich in sehr unfreundlichem Tonfall darauf aufmerksam, dass hier kein Campingplatz sei. Nach diesem Auftritt war mir jegliche Lust, hier zu \u00fcbernachten, vergangen und ich entgegnete, dass ich nur zum Strand und nicht \u00fcbernachten wollte. Sie starrte mich entgeistert an und wendete sich dann einem Ehepaar zu, das in der Ecke des Parkplatzes im Liegestuhl vor seinem Wohnmobil entspannte.<br>Ich machte mich auf den Weg in den Wald. Der Weg schl\u00e4ngelte sich an schn\u00f6rkeligen Buchen durch den Wald. Hinter den B\u00e4umen gl\u00e4nzten Sandstrand und tiefblaue Ostsee um die Wette. Allerdings war das Vergn\u00fcgen recht kurz, da der Waldabschnitt nur sehr klein war. Der Weg f\u00fchrte hinter dem Wald noch ein St\u00fcck \u00fcbers Feld, direkt an der Ostsee entlang. Angesichts der dunklen Gewitterwolke, die langsam immer n\u00e4her kam, entschloss ich mich jedoch f\u00fcr den R\u00fcckweg und fand einen netten Stellplatz bei einer Surfschule, direkt am Dar\u00dfer Bodden.<br>Am n\u00e4chsten Morgen ging es weiter zur S\u00fcdspitze R\u00fcgens. Pr\u00e4chtige Alleen f\u00fchrten vorbei an gelben Getreidefeldern, die mit ihren roten und blauen Mohn- und Kornblumentupfen einen malerischen Anblick boten. Die S\u00fcdostspitze R\u00fcgens \u00fcberraschte mit au\u00dfergew\u00f6hnlich wilder, unber\u00fchrter Natur. Weite, grasbewachsene H\u00fcgel- und Heidelandschaften reichten auf schmalen Landzungen in die Ostsee.<br>Als Quartier f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage w\u00e4hlte ich einen Naturcampingplatz im Nationalpark Jasmund, auf dem ich bereits vor mehreren Jahren war. <br>Der Ausflug zu den Kreidefelsen war wieder sehr sch\u00f6n und wegen des Fr\u00fchsommers war noch nicht so viel los, sodass ich nach ein paar Kilometern Fu\u00dfmarsch Richtung Sassnitz, den Weg fast f\u00fcr mich alleine hatte. Immer wieder bot sich zwischen den B\u00e4umen hindurch ein sch\u00f6ner Anblick auf die pr\u00e4chtigen Kreidefelsen. In Sassnitz nahm ich angesichts der herannahenden dunklen Regenwolken den Bus zur\u00fcck. <br>Den n\u00e4chsten Tag verbrachte ich auf der Autobahn auf dem Weg in die S\u00e4chsische Schweiz, wo ich zwei Tage wandern wollte. Von meinem Stellplaz aus hatte ich einen sch\u00f6nen Blick \u00fcber das Elbtal mit seinen weiten, dunkelgr\u00fcnen Nadelw\u00e4ldern und den Tafelbergen aus schwarzem Sandstein. <br>Die erste Wanderung f\u00fchrte in einem gr\u00f6\u00dferen Kreis um die Bastei herum. Obwohl ich fr\u00fch startete, merkte ich schon, dass der Tag hei\u00df werden w\u00fcrde. Der Weg f\u00fchrte immer tiefer in den Wald hinein. Blaubeerstr\u00e4ucher und Fingerh\u00fcte s\u00e4umten den Weg. Schlie\u00dflich stand ich an einem Abgrund, den eine schmale, in den Stein gehauene Treppe hinabf\u00fchrte. Unten fand ich mich in einem Canyon wieder. Der Weg schl\u00e4ngelte sich zwischen steilen Felsmauern aus Sandstein, die zum Teil dick mit Moos bewachsen waren, durch. Dichte Farne hingen von den W\u00e4nden und B\u00e4ume krallten sich an schmalen Felsvorspr\u00fcngen fest. Hier unten war es wie in einer Parallelwelt und eine Wildnis, die ich in Deutschland nicht vermutet h\u00e4tte. Der Weg f\u00fchrte \u00fcber Stock und Stein: mal musste man ein paar Felsen hinauf klettern, sich durch Felsspalte quetschen, unter Felsbl\u00f6cken hindurchkriechen oder kleine H\u00f6hlen durchqueren.<br>Schlie\u00dflich fand ich mich in einem kleinen, herausgeputzten Dorf an der Elbe wieder. Die Sonne brannte vom Himmel und der Weg f\u00fchrte steil bergauf bis zur Bastei, wo sich die Massen tummelten. Zum Gl\u00fcck hatte ich die Br\u00fccke schon am Vorabend besucht, wo kaum Menschen dort waren, sodass mir das Get\u00fcmmel nun erspart blieb. An den Schwedenl\u00f6chern ging es wieder unz\u00e4hlige Treppen bergab. Je tiefer ich kam, desto k\u00fchler wurde es. Gef\u00fchlt hatte ich den Elbspiegel l\u00e4ngst unterschritten und befand mich in einem angenehm k\u00fchlen Urwald-Keller. Da der Bach, an dem der Weg endete, in die Elbe floss, wusste ich, dass ich wohl noch leicht \u00fcber dem Elbspiegel sein musste. <br>Die zweite Wanderung war etwas k\u00fcrzer und ging auf den Lilienstein. Der Anstieg war zun\u00e4chst moderat und wurde dann kurz recht steil, als es die Felsw\u00e4nde hinauf ging. Oben auf dem Berg war es deutlich w\u00e4rmer, da hier kein Mikroklima herrschte, wie in den tiefen W\u00e4ldern um die Bastei. Daf\u00fcr reichte der Blick im Nordwesten bis Dresden und im S\u00fcdosten \u00fcber die unber\u00fchrten, wilden W\u00e4lder der b\u00f6hmischen Schweiz. Dazwischen schl\u00e4ngelte sich die Elbe wie ein silbernes Band. <br>Der Handyempfang war \u00fcberall sehr schlecht und dementsprechend langsam war auch das Internet, was mich auf dem Land und im Wald zun\u00e4chst nicht sonderlich verwunderte. Als ich aber mitten im Dorf auch kaum Empfang und nur langsamstes Internet hatte, konnte ich verstehen, warum sich manche Menschen abgeh\u00e4ngt und vergessen f\u00fchlen, wenn es \u00fcberall in Deutschland schnelles, mobiles Internet gibt, nur hier nicht. <br>Auf dem Weg nach S\u00fcddeutschland machte ich einen Zwischenstopp in der fr\u00e4nkischen Schweiz, wo ich eine Freundin traf. Ich fand den sch\u00f6nsten Freistehplatz der ganzen Tour, an einem wenig befahrenen Feldweg, in einer kleinen Lichtung im Wald. Freistehen war nicht so einfach, da das \u00dcbernachten an den beliebten Orten in Deutschland aufgrund von Nachtparkverboten, H\u00f6henbegrenzungen oder Campingverbotsschildern unm\u00f6glich ist und kleine Feldwege oft nicht mit dem Auto befahren werden durften. Die Coronasituation und die damit verbundene Tatsache, dass gef\u00fchlt alle mit dem Wohnmobil unterwegs waren, machte die Sache nicht leichter. Meist findet sich aber doch irgendwo ein Parkplatz, an dem man f\u00fcr eine Nacht bleiben kann. Umso mehr freute ich mich, als mitten in der fr\u00e4nkischen Schweiz keine Fahrverbotsschilder an den Feldwegen waren und ich einen sch\u00f6nen Platz mitten in der Natur fand. Die paar Radfahrer und Spazierg\u00e4nger st\u00f6rten sich nicht im Geringsten daran, dass wir zwischen den Autos Abendbrot a\u00dfen. <br>In S\u00fcddeutschland verbrachte ich drei Tage in Mittenwald und Umgebung. Zum Gl\u00fcck konnte ich hier bei Freunden \u00fcbernachten, ansonsten w\u00e4re der Campingplatz wohl Pflicht geworden, denn Freistehen war hier unm\u00f6glich. <br>Das erste Ziel war das Isartal und der nahegelegene Sylvensteinspeicher. Die t\u00fcrkis schimmernde Isar schl\u00e4ngelte sich durch ein breites, schneewei\u00dfes Flussbett, das von hohen Bergen umgeben war. Die Landschaft war hier so wild, dass man sie gar nicht mehr in Deutschland vermutete. <br>Im Sylvensteinspeicher staute sich das t\u00fcrkise Nass zu einem See, an dem viele Menschen den hei\u00dfen Sommertag genossen. <br>Am n\u00e4chsten Tag ging es in die H\u00f6llentalklamm. Ein schmaler Weg war an einem Bachbett entlang in den Stein gehauen und f\u00fchrte teils auf Metallbr\u00fccken, teils durch Tunnel eine enge Schlucht hinauf. Unter dem Weg toste das Wasser, von oben tropfte es und es w\u00e4re gut gewesen, eine Regenjacke oder einen Schirm anzuhaben, woran wir aber angesichts des hei\u00dfen Sommerwetters nicht gedacht hatten. Die w\u00e4rmenden Sonnenstrahlen reichten nicht bis in die Schlucht und schon gar nicht in die Tunnel, weshalb uns am Ende der Schlucht kalt wurde und wir die warmen Pullover aus den Rucks\u00e4cken holten. In der H\u00f6llentalangerh\u00fctte st\u00e4rkten wir uns mit Kaspresskn\u00f6delsuppe, Topfenstrudel mit Vanillesauce und Blaubeerbuttermilch und genossen den Blick auf das unber\u00fchrt scheinende Tal. Ein ausgetrocknetes Bachbett war von kleinen Fichten und Latschenkiefern ges\u00e4umt, hinter denen die hellgrauen Felsflanken des Zugspitzmassivs in den Wolken verschwanden. <br>Beim Abstieg hatten wir die H\u00f6llentalklamm fast f\u00fcr uns alleine. Ein Tipp, der sich fast \u00fcberall bew\u00e4hren sollte: viel besuchte Touristenhotspots in den Randzeiten (fr\u00fch morgens oder abends) besuchen. Hier sind nicht nur wenige Leute unterwegs (die meisten schlafen noch oder sitzen beim Abendbrot) sondern das Licht ist besonders sch\u00f6n f\u00fcr gute Fotos. <br>Der Eibsee ist wohl auch als die Karibik der Alpen bekannt. Der See liegt am Fu\u00dfe der Zugspitze, eingerahmt zwischen Bergen und W\u00e4ldern und das Wasser schimmert in allen Gr\u00fcn-, T\u00fcrkis- und Blaut\u00f6nen, die man sich vorstellen kann. Dank der instabilen Wetterlage war nicht viel los und ich begegnete auf dem Rundweg nur wenigen Leuten. Der Regen kam aber erst nach dem Mittagessen, als ich schon im Auto sa\u00df und Richtung Schw\u00e4bische Alb rollte. <br>In der Schw\u00e4bischen Alb fand ich einen wundersch\u00f6nen Stellplatz am Ende eines Feldweges, direkt am Waldrand. Leider durfte ich dort nicht \u00fcbernachten, der J\u00e4ger, der mich am sp\u00e4ten Abend wegscheuchte, meinte, ich st\u00fcnde direkt in der Schusslinie und verwies auf die umstehenden Hochst\u00e4nde. Ich denke, er war eher genervt von den vielen Campern, die irgendwo in der Natur stehen und leider oft ihren M\u00fcll hinterlassen, worunter alle anderen vorbildlichen Camper leiden m\u00fcssen. Aber das Argument mit der Schusslinie \u00fcberzeugte mich und so verbrachte ich die Nacht lieber auf dem \u00f6ffentlichen Parkplatz. <br>Die Wanderung durch das obere Donautal war sehr sch\u00f6n. Der Naturpark erinnerte mit der Donau, die auch hier einen Canyon in die Landschaft geschliffen hatte, ein wenig an das Elbetal in der s\u00e4chsischen Schweiz und war doch ganz anders. Die wei\u00dfen Kalkfelsen schimmerten durch den sattgr\u00fcnen Mischwald. Auch hier gab es viele Wildblumen, auch solche, die ich bisher noch nie gesehen hatte, wie z.B. wilde Lilien. <br>In den Kalkfelsen gab es riesige H\u00f6hlen, die auch begehbar waren. Eine reichte bis 400m in den Berg hinein und ich hatte gro\u00dfe Lust, sie zu begehen. Eine Stirnlampe hatte ich auch extra daf\u00fcr eingepackt, nur leider hatte ich vergessen, die Batterien vorher zu wechseln und konnte im funzeligen Licht, f\u00fcr das die Energie der Batterien gerade noch reichte, kaum etwas erkennen, weshalb ich doch lieber an der Erdoberfl\u00e4che blieb. <br>Die Nacht verbrachte ich auf einem Bauernhof und testete dort Landvergn\u00fcgen, eine Verbindung von Bauernh\u00f6fen, Weing\u00fctern und Gasth\u00f6fen, die f\u00fcr Wohnmobilisten Stellpl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung stellten. F\u00fcr einen Jahresbeitrag von 30,00\u20ac konnte man eine Vignette erwerben und sich \u00fcber eine App Stellpl\u00e4tze in der N\u00e4he suchen. Eigentlich eine sch\u00f6ne Idee, doch leider f\u00fcr mich nicht so praktikabel, da ich oft nicht im Voraus sagen kann, wann ich am n\u00e4chsten Abend wo bin, die H\u00f6fe aber gerne 24 Std. im Voraus eine Anmeldung h\u00e4tten. Hier klappte es. Der Hof war sch\u00f6n, es gab Wasserb\u00fcffel und einen Hofladen, in dem es K\u00e4se aus Kuh- und B\u00fcffelmilch und allerlei andere Leckereien, die auf dem Hof hergestellt wurden, zu kaufen gab. Der Stellplatz bot einen sch\u00f6nen Blick \u00fcber die sanften Wiesen und die grasenden Wasserb\u00fcffel. Allerdings hatte ich aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zu Kuhstall, Jauchegrube und Tieren Millionen von Fliegen im Bus, von denen ich die H\u00e4lfte am Abend erschlagen musste. Dann gab ich es auf, sperrte den Gro\u00dfteil der verbbleibenden Fliegen im Fahrerhaus ein und hatte eine unerwartet ruhige Nacht. Auch am Morgen wurde ich nicht von den Fliegen geweckt. Allerdings begleiteten mich zwei Fliegen noch bis nach Hause. In den n\u00e4chsten Tagen fand ich immer wieder tote Fliegen und ihre Hinterlassenschaften an den Vorh\u00e4ngen werden mich wohl noch l\u00e4nger an diesen Hof erinnern. Ein Fliegengitter w\u00e4re vorteilhaft gewesen. <br>Bei den Bad Uracher Wasserf\u00e4llen war wieder etwas mehr los, aber auch hier h\u00e4uften sich die Menschen vor Allem vor den Wasserf\u00e4llen, die sanft zwischen saftig gr\u00fcnem Gras und dicken Mosteppichen die Felswand hinunter pl\u00e4tscherten. Im Wald wuchsen Farne und Gr\u00e4ser, die ich als Zimmerpflanzen kannte, aber noch nie in ihrem nat\u00fcrlichen Lebensraum gesehen hatte. <br>\u00dcber den Schwarzwald, wo ich die Nacht bei meinem Bruder verbrachte, fuhr ich weiter in die Eifel. Die Geierlay-Br\u00fccke war eher Tourismus zum Abgew\u00f6hnen. Schon einige Kilometer vor M\u00f6rsdorf, dem Ausgangspunkt der Wanderung zur H\u00e4ngeseilbr\u00fccke, war das Parken durch Schilder am Stra\u00dfenrand verboten, sodass man gezwungen wurde, den geb\u00fchrenpflichtigen Parkplatz im Dorf zu nutzen. Mindestparkdauer waren dort zwei Stunden f\u00fcr 5\u20ac, jede weitere angefangene halbe Stunde kostete 1 Euro extra. Angesichts mangelnder Alternativen lie\u00df ich meinen Bus dort stehen und reihte mich in die Karawane ein, die zur Br\u00fccke pilgerte. Der Blick auf die Landschaft und die umliegenden D\u00f6rfer w\u00e4re sch\u00f6n, w\u00e4ren da nicht so viele Windr\u00e4der, die der Landschaft ihre Sch\u00f6nheit raubten. <br>Auf dem kurzen Weg zur Br\u00fccke gab es Verkaufsst\u00e4nde mit Getr\u00e4nken und Snacks, die den Wanderern von Marktschreiern hochpreisig angeboten wurden. <br>Im Wald vor der Br\u00fccke zeigte sich das Toilettenproblem des Landes. Statt nach skandinavischem Beispiel an jeder Ecke ein Plumpsklo aufzustellen, sind \u00f6ffentliche Toiletten in Deutschland eher Mangelware, was zur Folge hat, dass \u00fcberall dort, wo Menschen sind, auch viel Klopapier im Geb\u00fcsch landet. Mit der Einf\u00fchrung der Hundekotbeutel scheinen die Menschen unf\u00e4hig im Umgang mit ihren eigenen Hinterlassenschaften geworden zu sein. Zumindest war der Boden zwischen den B\u00e4umen soweit das Auge reichte, mit Klopapier \u00fcbers\u00e4t. Dabei w\u00e4re es doch das Einfachste, die Hinterlassenschaften mit einem \u00fcberall erh\u00e4ltlichen Hundekotbeutel aufzusammeln und im n\u00e4chsten M\u00fclleimer zu entsorgen. <br>Vor der Geierlay-Br\u00fccke hielt die Security die Karawane auf und erkl\u00e4rte den Wanderern, dass das Betreten der Br\u00fccke erst in einer Stunde m\u00f6glich sei. Wegen Corona d\u00fcrften nicht so viele Menschen gleichzeitig auf die Br\u00fccke, weshalb die Br\u00fccke im st\u00fcndlichen Wechsel f\u00fcr jede Seite ge\u00f6ffnet werde. Nach 10 Minuten war der Platz vor der Br\u00fccke mit Menschen \u00fcberf\u00fcllt. Ich dachte an mein Parkticket, das in einer Stunde auslief, die weiteren Parkgeb\u00fchren und hatte angesichts der Menschenmassen, die mir die Ruhe beim Fotografieren rauben w\u00fcrden, gar keine Lust mehr, die Br\u00fccke zu besichtigen. Ohne die Br\u00fccke betreten zu haben, ging ich zur\u00fcck zum Parkplatz. Der Parkautomat sagte einem die zu bezahlende Summe in einer Lautst\u00e4rke, die auch noch alle anderen in der Warteschlange h\u00f6ren konnten und nicht wenige fluchten laut, als der Automat 10 Euro haben wollte. Ich kam mit meinen 5 Euro noch g\u00fcnstig davon und Verlies M\u00f6rsdorf Richtung Moseltal. <br>Auf der anderen Seite der Mosel brachte ich meinen neuen Bus auf der steilen Weinbergstra\u00dfe etwas an seine Grenzen und fand oben auf dem Berg, nahe der Burg Eltz einen sch\u00f6nen Wohnmobilstellplatz. <br>Die Burg besichtigte ich am Abend. Leider war sie schon geschlossen und daher nur von au\u00dfen zu bewundern, daf\u00fcr waren aber kaum Menschen dort und die untergehende Abendsonne tauchte alles in ein warmes Licht. Die Burg ist wohl der Inbegriffe einer Ritterburg. Sie thronte auf einem kleinen H\u00fcgel in einer Eltz-Schleife. Gr\u00f6\u00dfere umstehende H\u00fcgel besch\u00fctzten die Burg, sodass sie aus dem Umland nicht sichtbar war. Die Burg\u00a0 war aus schweren Steinplatten erbaut, die zierlichen Geb\u00e4ude und die schmalen T\u00fcrmchen waren aus rot-wei\u00dfem Fachwerk gebaut und bildeten einen verspielten Kontrast zu den schweren Steinmauern. <br>Das n\u00e4chste Ziel war der Trutoburger Wald. Da es keine Autobahn gab, die direkt dorthin f\u00fchrte, w\u00e4hlte ich die Landstra\u00dfe. So kam ich zwar langsamer voran, merkte aber, wie die Landschaft sich mehr und mehr ver\u00e4nderte. Das h\u00fcgelige Agrarland der Eifel flachte etwas ab und die Waldst\u00fccke, die bei der Burg Eltz eher rar waren, wurden immer mehr. Die alten schmalen Schieferplatten, aus denen die H\u00e4user im Moselland gebaut waren, wurden von massiven Steinbl\u00f6cken abgel\u00f6st. Auch die Bauweise des Fachwerks \u00e4nderte sich und mir war gar nicht bewusst, dass es so viele Baum\u00f6glichkeiten f\u00fcr Fachwerk gab. Bei den Kirchturmspitzen bekam ich unterschiedliche Varianten der Turmhaube zu sehen. <br>Im Teutoborger Wald regnete es leicht, was aber mein Gl\u00fcck war, denn so war an den Externsteinen kaum was los. Der wolkenverhangene Himmel verlieh der dunkle Mauer aus Sandsteinfelsen eine mystische Stimmung. Die Felsen schienen auf der Waldlichtung etwas deplatziert, da in der h\u00fcgeligen Waldlandschaft ansonsten keine Felsen zu sehen waren, w\u00e4hrend die Externsteine wie vergessen dastanden. Kein Wunder also, dass die Steine im Laufe der Jahre eine gro\u00dfe kulturgeschichtliche Bedeutung gewannen. \u00a0<br>Die Ruinen der Falkenburg waren sehr beeindruckend. Leider waren nur noch der Sockel eines Turms und Reste der Grundmauern vorhanden. Der Blick auf das Umland war aber sehr sch\u00f6n und ich h\u00e4tte gerne gewusst, wie die Burg fr\u00fcher ausgesehen hatte. <br>Die Nacht verbrachte ich an einem sch\u00f6nen Platz direkt an der Weser. Am n\u00e4chsten Morgen schien die Sonne durch die Nebelschwaden, die \u00fcber Fluss und Wiesen hingen und versprach einen Sch\u00f6nen Sonnentag, den ich aber gro\u00dfteils auf der Autobahn verbrachte. Ich verlie\u00df das Weserbergland Richtung Nordwesten. Die Landschaft wurde immer flacher bis schlie\u00dflich der Nordseedeich die einzige Erhebung weit und breit war. Bei Greetsiel testete ich nochmal Landvergn\u00fcgen bei einem Restaurant auf einem alten Hof. Ich stand auf einer alten Mistplatte aber da es auf dem Hof keine Tiere mehr gab, hatte ich auch keine Fliegen im Bus. <br>Greetsiel war ein sch\u00f6nes kleines friesisches Dorf mit einem historischen Kern. In vielen kleinen, gem\u00fctlichen L\u00e4den gab es allerlei Souveniers und Kunsthandwerk zu bestaunen und es gab eine breite Auswahl an Restaurants, in denen man sch\u00f6n sitzen und den Blick auf das Hafentreiben genie\u00dfen konnte. Zum Abschluss der Reise g\u00f6nnte ich mir einen Fischteller mit Kartoffeln und Lauchgem\u00fcse, der hervorragend schmeckte. <br>Den Abend verbrachte ich am Pilsumer Leuchtturm, der mit seinen roten und gelben Streifen auch als Otto-Leuchtturm bekannt ist. Auch hier waren angesichts der etwas sp\u00e4teren Stunde kaum Leute unterwegs. Der freie Blick auf die unendlichen Weiten des Meeres tat gut und sorgte f\u00fcr Freiheitsgef\u00fchle. Die letzten Wochen war ich viel in den Bergen oder im Wald und hatte kaum Chance, etwas weiter zu sehen. In der weiten Landschaft standen einem gef\u00fchlt alle Wege offen, was in den Alpen nicht so war. Zum Einen versperrten die Berge die Sicht aber es w\u00e4re auch gar nicht m\u00f6glich gewesen andere Wege als die vorgegebenen zu gehen, da steile Felsw\u00e4nde und tiefe Abgr\u00fcnde un\u00fcberwindbare Hindernisse darstellten. Diese gab es zwar in den W\u00e4ldern Mitteldeutschland weniger, daf\u00fcr verlor man zwischen den unz\u00e4hligen B\u00e4umen leichter die Orientierung und war dem Wetter wehrloser ausgeliefert, da man Wetter\u00e4nderungen erst sp\u00e4t kommen sah und sich kaum darauf vorbereiten konnte, w\u00e4hrend man im flachen Norddeutschland sehen konnte, wie das Wetter in den n\u00e4chsten Stunden wird. Es stellte sich mir die Frage, welchen Einfluss die Landschaft auf den Charakter und das Miteinander der Menschen hat. <br>Warum ich nach Cuxhaven gefahren bin, wei\u00df ich selbst nicht so genau. Ich war bereits vor Jahren an der Elbm\u00fcndung und hatte den Ort in sch\u00f6ner Erinnerung, was aber auch am damaligen Aprilwetter mit Regen, Sonne und Regenbogen gelegen haben mag. Jetzt brannte die Sonne vom Himmel, es war sommerliche Hochsaison und dementsprechend viel los. Die Hotelburgen am Strand waren eher zum Abgew\u00f6hnen und nach Fischbr\u00f6tchen und Nutella-Bananen-Cr\u00eape machte ich mich auf die Suche nach sch\u00f6ner Natur. Die\u00a0 Cuxhavener K\u00fcstenheiden waren kleiner als gedacht und menschen\u00fcberlaufen, aber trotzdem sch\u00f6n. <br>Die letzte Nacht verbrachte ich an einem sch\u00f6nen Platz direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Ab und zu tuckerten kleinere Schiffskolonnen vorbei, ansonsten war es ruhig. <br>Nach den zweieinhalb Wochen Deutschlandreise hatte ich das Gef\u00fchl, Deutschland etwas mehr zu kennen, aber auch nur an der Oberfl\u00e4che gekratzt zu haben. Dieses Land, das von der Nordsee bis an die Alpen reicht ist mit seinem historischen Hintergrund so vielf\u00e4ltig, dass ein normaler Urlaub viel zu kurz ist, um tiefer einzutauchen. Unber\u00fchrte Natur, die mir so wichtig ist, habe ich hier in der s\u00e4chsischen Schweiz und in den Alpen gefunden, wobei ich mir sicher bin, dass es noch mehr unber\u00fchrte Landschaften gibt. D\u00fcnn besiedelte Gebiete, in denen die Natur sich entfalten kann, finden sich wohl nur in Ostdeutschland. Fest steht, dass es noch weitere Deutschlandreisen geben wird.<br><br>Fotos von der Reise gibt es <a href=\"http:\/\/nordlichtblog.de\/?page_id=24&amp;gallery=deutschlandreise-2020\">hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Jahren hatte ich bereits eine kleine Deutschlandreise gemacht, bei der Freunde besuchen im Fokus stand. Dementsprechend sah ich viele St\u00e4dte und Autobahnen aber wenig Natur. 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