{"id":2074,"date":"2026-01-27T09:24:39","date_gmt":"2026-01-27T08:24:39","guid":{"rendered":"https:\/\/nordlichtblog.de\/?p=2074"},"modified":"2026-01-27T09:24:41","modified_gmt":"2026-01-27T08:24:41","slug":"camper-und-schlafplaetze-in-neuseeland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nordlichtblog.de\/?p=2074","title":{"rendered":"Camper und Schlafpl\u00e4tze in Neuseeland"},"content":{"rendered":"\n<p>Viele wollen einmal im Leben Neuseeland mit dem Camper bereisen. Sie tr\u00e4umen davon, mit dem Bus irgendwo in der freien Natur zu stehen mit Ausblick auf die Berge oder den Sonnenuntergang am Meer. Erstmal muss man daf\u00fcr aber einen geeigneten Camper finden \u2013 das ist gar nicht so einfach.<br>Man k\u00f6nnte meinen, Neuseeland sei DIE Campernaiton schlechthin, schlie\u00dflich darf man ja \u00fcberall \u00fcbernachten. Falsch gedacht.<br>Die Neuseel\u00e4nder sehen ein Auto eher als Fortbewegungsmittel. Darin zu wohnen, w\u00e4re ihnen viel zu eng. In Neuseeland lebt man im Zelt \u2013 bessergesagt in Zeltwohnungen. Oft fahren die Familien im sommer f\u00fcr ein paar Tage auf den Campingplatz, wo sie riesige Zelte aufstellen: ein K\u00fcchenzelt mit voll ausgestatteter Outdoork\u00fcche (Gasgrill und Arbeitsplatte mit Regalen f\u00fcr das ganze Geschirr). Ein weiteres Zelt dient als Schlafzelt mit mehreren Schlafkammern, die Anzahl variiert abh\u00e4ngig von der Familiengr\u00f6\u00dfe. Au\u00dferdem gibt es noch ein Versammlungszelt, das mehr einem Pavillon gleicht und das Schatten spendet. Hier wird der Tag gemeinsam verbracht.<br>Die Alternative zu Zeltwohnungen sind kleine Ferienh\u00fctten mit Doppel- oder Stockbetten. Man kocht dann in der Gemeinschaftsk\u00fcche des Campingplatzes, die meist auch sehr gut ausgestattet ist.<br>Die ganz abenteuerlustigen haben einen Offroader mit Dachzelt und stehen an den entlegensten Ecken (wahrscheinlich auch \u00fcber Nacht), wo sie niemand findet.<br>Wohnmobile und Campervans sieht man in Neuseeland eher selten und wenn, geh\u00f6ren sie meist zu einer entsprechenden Vermietung. Das merkt man auch daran, dass die Campervermietungen alle in der N\u00e4he der gro\u00dfen Flugh\u00e4fen sitzen und es kaum Vermietungen an anderen Orten gibt.<br>In Neuseeland reist man meistens mit dem PKW, was nicht hei\u00dft, dass es auch Neuseel\u00e4nder gibt, die ihre Inseln gerne mit dem Wohnmobil bereisen. Aber es ist nicht so ein Hype wie in Europa sondern eher die Ausnahme.<br>Dementsprechend muss man sich auch ein wenig umgew\u00f6hnen, wenn man die durchdachten Camper aus Europa gewohnt ist, in denen die kleinste Ecke ausgenutzt und vieles multifunktional ist. Ich suchte nach einem Campingbus indem ich es bequem 3 Monate aushalten konnte. Er sollte nicht zu gro\u00df (kein Wohnmobil) aber auch nicht zu klein (kein PKW) sein. Ein typischer Kleintransporter, entsprechend eines VW-Busses.<br>Als erstes f\u00e4llt auf, dass die Campingbusse fast alle die gleiche Basis haben: Toyota Hiace (2007-2018) in unterschiedlichen L\u00e4ngen und H\u00f6hen. Auch der Innenausbau ist oft gleich: hinter den Vordersitzen in L-Form eine K\u00fcchenzeile, hinten zwei B\u00e4nke parallel zu den Au\u00dfenw\u00e4nden, in der Mitte ein Tisch, dessen Platte man gemeinsam mit weiteren Platten in den Mittelgang legen konnte. Die R\u00fcckenpolster der Bank in draufgelegt und fertig war das Bett. Unter den B\u00e4nken befindet sich Stauraum f\u00fcrs Gep\u00e4ck sowie eine Toilette. Manche Busse haben auch ein Hochdach, sodass oben noch Leute schlafen k\u00f6nnen. Diese Busse sind aber bei Seitenwind extrem schwer zu kontrollieren. Au\u00dferdem ist das Bett oben meist nur 1,60m lang und daher nur f\u00fcr Kinder geeignet. Es gibt auch Busse ohne Hochdach aber Stehk\u00fcche, das ist eher unpraktisch, denn man kann in den Bussen nicht stehen. Auch das Sitzen auf der Bank hinten k\u00f6nnte schwierig werden, ohne mit dem Kopf an die Decke zu sto\u00dfen.<br>Manche Busse (und PKWs) haben eine Heck-K\u00fcche, in der man unter ge\u00f6ffneter Heckklappe kochen kann. Was im Sonnenuntergang romantisch klingt, wird man bei str\u00f6mendem Regen und Seitenwind (kommt in Neuseeland oft vor) verteufeln. Es lohnt sich also, die Ausstattung auf den Fotos genau anzuschauen und sich vorher zu \u00fcberlegen, was einem wichtig ist und die Ausstattung daraufhin zu \u00fcberpr\u00fcfen.<br>Ich entschied mich f\u00fcr einen Hiace mit dem typischen Ausbau (vorne K\u00fcche, hinten Bank\/Bett) und einer mittleren H\u00f6he (ohne Bett oben). Mit 2,4m Gesamth\u00f6he war der Bus auch bei Seitenwind noch einigerma\u00dfen h\u00e4ndelbar und ich konnte gerade so mit leicht abgeknicktem Kopf drin stehen.<br>Wer in Neuseeland die maximale Freiheit genie\u00dfen will, was \u00dcbernachtungspl\u00e4tze angeht, braucht einen Camper mit sogenanntem \u201eSelf Contained\u201c Zertifikat. Dieses Siegel bekommen Camper mit Toilette und Waschbecken mit Frisch- und Abwassertank. Das hei\u00dft aber nicht, dass sie auch einen Kocher, Geschirr, K\u00fchlschrank und Campingst\u00fchle und -Tisch haben. Da muss man nochmal genau schauen. Bei vielen Vermietungen muss man diese Ausstattung extra dazu mieten \u2013 ebenso wie Decken und Kissen. Bei anderen ist es inklusive.<br>Auch eine Zweitbatterie und Solar ist bei weitem nicht selbstverst\u00e4ndlich und man muss bei der Vorauswahl darauf achten, ob der Camper damit ausgestattet ist (sehr empfehlenswert).<br>Au\u00dferdem sollte man unbedingt pr\u00fcfen, ob die Autovermietung erlaubt, auf Schotterstra\u00dfen zu fahren. In Neuseeland gibt es sehr viele Schotterstra\u00dfen und man landet oft ohne Vorank\u00fcndigung auf ihnen und muss dann manchmal 30 und mehr Km auf ihnen fahren. Der Zustand dieser Stra\u00dfen ist sehr unterschiedlich. Manche kann man fast wie eine Asphaltstra\u00dfe befahren, andere sind so mit Waschbrettern und Schlagl\u00f6chern \u00fcbers\u00e4ht, dass man kaum schneller als 20 Km\/h fahren kann. Ja, ich wei\u00df, das geht auch mit 80 oder 100 km\/h aber daf\u00fcr braucht man dann auch den entsprechenden Gel\u00e4ndewagen. Mit einem PKW oder Camper riskiert man eher einen Achsbruch.<br>Ein paar Strecken wie der Ninety Mile Beach sind aber bei fast allen Autovermietungen verboten \u2013 auf diese Strecken kann man aber auch gut verzichten oder \u2013 wenn nicht \u2013 sie mit einer gef\u00fchrten Tour mit dem Allrader befahren.<br>Mein Camper hatte all das. Dennoch war die Ausstattung bei genauerem Hinsehen nicht vergleichbar mit meinem gut durchdachten Campingbus, den ich von zuhause gewohnt war. Der Tisch hatte eine extrem rutschige Oberfl\u00e4che, von der alles runter rutschte, sobald das Auto nur etwas schief stand.<br>Der Schrank hatte gro\u00dfe F\u00e4cher, aus denen bei der Fahrt alles herausfiel. Also f\u00fchrte meine erste Fahrt zum Baumarkt, wo ich Kisten und Anti-Rutsch-Matten besorgte. Der Schrankinhalt kam in Kisten, auf deren Unterseite ich Anti-Rutsch-Matte klebte. Dann blieb alles an Ort und Stelle.<br>Statt Vorh\u00e4ngen wurden hier Planen verwendet, die wie ein Rollo am oberen Fensterrahmen aufgerollt und mit Klettverschl\u00fcssen fixiert wurden. Allerdings waren die Klettverschl\u00fcsse schon sehr abgenutzt und hielten kaum noch. Die Planen waren durch das st\u00e4ndige Aufrollen schon so geformt, dass sie sich auch im ausgerollten Zustand immer wieder aufrollten. Die Saugn\u00e4pfe, mit denen man sie am unteren Fensterrand fixieren konnte, hielten nur gelegentlich.<br>Innenraumbeleuchtung gab es nicht. Bzw. war die an die Starterbatterie angeschlossen und die Benutzung daher nicht empfehlenswert, wenn man am n\u00e4chsten Tag noch loskommen wollte. Zum Gl\u00fcck hatte ich eine Lichterkette sowie eine Campinglampe dabei, aber auch hier musste ich erstmal Stecknadeln besorgen um die Lichterkette aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen.<br>Dann ging es endlich los zum ersten Stellplatz. Einen sch\u00f6nen Platz am Meer oder an einem Fluss, mit sch\u00f6nem Ausblick, wo man auf jeden Fall alleine steht. Davon tr\u00e4umen viele \u2013 und k\u00f6nnen in Neuseeland weitertr\u00e4umen. Freistehen wo man will,\u00a0 ist hier nicht erlaubt. Das \u00dcbernachten ist hier streng reglementiert. Auf den meisten Parkpl\u00e4tzen mit sch\u00f6nem Meerblick stehen Schilder mit \u201eNo\u00a0 camping\u201c oder noch eindeutiger: \u201eno overnight stay\u201c. Steht kein Verbotsschild, hei\u00dft es nicht, dass man dort campen oder \u00fcbernachten darf. Dann muss man auf der Internetseite der Gemeinde herausfinden, ob man da stehen darf (meistens nicht). Man muss also entweder auf einen Campingplatz oder auf einen der sog. \u201eFreedom Campsites\u201c. Die findet man \u00fcber unterschiedliche Apps \u2013 am besten ist CamperMate \u2013 die hat sie alle. Beides kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt Campingpl\u00e4tze (meist Holidayparks) mit allem, was das Herz begehrt: kleinen Ferienbungalows, Kinderbespa\u00dfung, Pool, K\u00fcche, Waschmaschinen, WLAN, den \u00fcblichen Sanit\u00e4ranalagen und Strom. Die sind dann entsprechend teuer (ca. 30\u20ac pro Person und Nacht).Es gibt aber auch ganz schlichte Campingpl\u00e4tze, die bestehen dann aus einer Wiese und Toiletten. Dusche? Fehlanzeige. Vllt. eine kalte Dusche. Die \u00dcbernachtung ist daf\u00fcr mit 5\u20ac pro Person und Nacht entsprechend g\u00fcnstig. Die Standardausstattung auf den meisten Campingpl\u00e4tzen besteht aus sanit\u00e4ren Anlagen (Dusche\/WC), einer voll ausgestatteten K\u00fcche und kostenlosem WLAN. Der Preis daf\u00fcr ist mit 10-15\u20ac pro Person und Nacht ok.<br>Freedom Campsites k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein. Von traumhaften Pl\u00e4tzen irgendwo in der Natur mit Blick auf das Meer und die Berge bis hin zu Parkpl\u00e4tzen mitten in der Stadt, auf denen nur von 18:00 bis 7:00 Uhr gestanden werden durfte. Au\u00dferhalb dieser Zeit war der Parkplatz f\u00fcr die Stadtbev\u00f6lkerung vorgesehen. Voraussetzung f\u00fcr die Freedom Campsites ist das \u201eself contained\u201c Zertifikat. Ohne das darf man auf diesen Pl\u00e4tzen nicht \u00fcbernachten und der Aufkleber muss gut sichtbar an der Heckklappe angebracht sein. Eigentlich eine sinnvolle Erfindung, wenn man an die Klopaierhalden in Deutschlands B\u00fcschen denkt. Allerdings gibt es an vielen Freedomcamps auch eine Toilette, deren Benutzung mal mehr, mal weniger empfehlenswert ist. Zur Not hat man ja immer eine eigene Toilette dabei.<br>Manchmal gibt es viele Freedom Campseites, manchmal kaum welche. In solchen Regionen ist es an den wenigen Campsites dann oft voll und man muss fr\u00fch da sein, denn manchmal gibt es nur Platz f\u00fcr 3-5 Camper. Nat\u00fcrlich w\u00e4re da noch mehr Platz, aber man sollte sich an die Regeln halten und den PKW-Fahrern auch noch Parkpl\u00e4tze \u00fcbrig lassen. Die Regeln f\u00fcrs Freedom Camping werden in Neuseeland zunehmend versch\u00e4rft und k\u00f6nnten bei konsequenter Nichteinhaltung irgendwann ganz verboten werden. Auf anderen Campsites gibt es Platz f\u00fcr 70 Vans und man ist fast alleine dort.<br>Dass die Neuseel\u00e4nder keine Vanlifer sind, merkt man auch daran, dass man auf den Freedom Campsites meistens Deutsch und Franz\u00f6sisch und nur wenig Englisch h\u00f6rt. Die englisch sprechenden Menschen kommen dann oft aus Amerika, England oder Kanada und nur selten aus Neuseeland. Aber es gibt auch ein paar Neuseel\u00e4nder, die gerne mit dem Camper ihr Land bereisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele wollen einmal im Leben Neuseeland mit dem Camper bereisen. Sie tr\u00e4umen davon, mit dem Bus irgendwo in der freien Natur zu stehen mit Ausblick auf die Berge oder den Sonnenuntergang am Meer. 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